„Die erste halbe Stunde hat sich mein Mitleid mit Pierre sehr in Grenzen gehalten“, schreibe ich einer Freundin prompt per What`s App, die noch am Vortag mit tollen Geschenken vor der Tür stand und herzlich zur Geburt gratuliert hat.

Sie hat mir nämlich geschrieben, dass ihr auch mein Mann Pierre leid tut. Das müsste doch ein schlimmes Gefühl sein, wenn man „schuld“ daran ist, dass das Baby gestürzt ist.

Von Mitleid gegenüber Pierre gibt es bei mir allerdings erstmal keine Spur. Im Gegenteil. Nachdem ihm Emily runtergefallen ist, werde ich zur Furie. Unterstelle ihm in meiner Spontanität sogar, dass er nicht genug Vaterinstinkte hätte.

papaemily

Gegen vier Uhr morgens habe ich ihn nach dem Stillen kurz angetippt und gefragt, ob er jetzt damit „weiter machen“ möchte, die kleine Schmusemaus auf seinem Bauch schlafen zu lassen. Wieso wir das so handhaben habe ich euch ja hier geschrieben. 

„Hey, klar, gib her die Kleine“, hat er mir hilfsbereit geantwortet. Um sechs Uhr morgens dann das: Ich werde von Emilys Weinen wach. Nicht wegen Hunger. Nein, sie ist aus dem Bett geflogen.

Wie das dem Pierre passieren konnte? Er ist eingeschlafen, hat sich wohl dabei zur Seite gedreht und sie irgendwann nicht mehr richtig festgehalten.

„Habe ich euch doch von Anfang an gesagt, dass das Schlafen mit Baby im Familienbett lebensgefährlich ist,“ schreibt mir eine andere Mutter per SMS. Und dann fügt sie hinzu, dass sie trotzdem viel an uns denkt die nächsten Tage.

Im Krankenhaus sind sich alle einig. 48 Stunden verkabelt zur Beobachtung dableiben. Ich dürfte meine Milch abpumpen und Emily auch ein paar Stunden alleine stationär dalassen.

Aber erstens bin ich keine Kuh und zweitens könnte ich das nicht übers Herz bringen, das Baby, in das ich mich eine Woche zuvor bereits im Kreißsaal verliebt habe so lange alleine zu lassen. Gestillt zu werden ist dagegen beruhigend und gibt der zarten Maus das vertraute Gefühl von zu Hause wieder.

stillenemilyzuhause

Aber wieso können Ärzte das nicht rasch checken? Kein Mensch ist scharf darauf, länger als notwendig im Krankenhaus zu sein.

Das Problem: Blutungen im Schädelinnern können auch noch Stunden nach dem Sturz auftreten.

Also gut. Emily und ich bleiben hier. Als die kleine Maus so verkabelt wird, muss ich auf einmal los heulen. Peinlich irgendwie. Andererseits haben „Wöchnerinnen“, die gerade entbunden haben, auch schneller am Wasser gebaut.

Das mag dazu beitragen, dass mir gerade meine Nerven ein wenig davon galoppieren.

Außerdem bin ich irgendwie noch sauer auf meinen Mann. Wäre mir das passiert, so würde er mir keinen einzigen Vorwurf machen.

Jedoch kann ich die Lage gerade nicht so sachlich sehen und bin stinkig. Auf die ganze Situation. Mir tut Emily unendlich leid. Aber ich möchte auch einfach nur ganz schnell wieder aus dem Krankenhaus raus.

emilykrankenhauskontrolle

Wie schön, dass ich meine kleine Maus trotz Kabelsalat hoch nehmen und stillen darf.

Sobald ich versehentlich irgendwo zu sehr dran zerre geht der Alarm los.

Überhaupt piepst der rote Knopf auch zwischendurch mal bei Bewegungen. Das nervt. Da kriegst du ja gleich Panik, dass irgendwas nicht in Ordnung ist.

Das Zimmer ist steril – ich verschönere mir die Zeit mit meiner kleinen Schmusemaus, die nach dem Stillen und Bäuerchen wie ein Kätzchen schnurrt.

Die Babyzeit ist goldig. Wie auf dem Foto hier (von heute) zu sehen, hat sie selbst im Krankenhaus beste Laune:

emilybettkrankenhaus2015

Dann schaue ich mir die Maus an und nehme mir vor, diese ersten Wochen und Monate ganz besonders zu genießen, da die Zeit – wenn sie so klein und zart sind – endlich ist.

Wenn ich meinen „riesigen Leon“ daneben sehe, dann spüre ich, dass die Kuschelzeit viel zu rasch vorbei geht.

Na, dann drückt mal die Daumen, dass Emilys Werte hier weiterhin gut sind. Ich werde die Nacht neben ihrem Bettchen schlafen – die Kabel sind zu kurz um sie zu mir zu holen.

Dann wird sie wohl das erste Mal eine ganze Nacht lang alleine in ihrem Bett auf dem Rücken schlafen müssen. Mal gucken wie das klappt …. morgen werde ich wahrscheinlich kleine rote Augen haben.

Bis bald wieder und liebe Grüße von Elischeba (die sich auf zu Hause freut)

Photo Credits: Fotografen: Elischeba und Pierre Wilde – Models: Familie Wilde