Das sei das schlimmste Elternmagazin welches sie je in den Händen gehabt hätte. Für total egoistische Frauen gemacht. Für Frauen, die so egoistisch sind, dass sie lieber gar keine Kinder kriegen sollten. Das wäre besser für alle.

Schreibt eine Leserin der Redaktion.

Was mache ich? Am 6. März 2014 sitze ich im Flugzeug. Richtung Berlin. Auf dem Weg zur größten Reisemesse der Welt. In der Hand die Brigitte MOM. Im schönen Pocketformat für meine Handtasche. Söhnchen Leon ist bei einer Tagesmutter. Au Weia. Bin ich auch eine von diesen mega egoistischen Rabenmüttern?

brigittemom

Immerhin find ich das Magazin gar nicht so schlecht. Na gut. Sagen wir mal so: Als in einer Ausgabe gezeigt wurde, welche Klamotten sich die Mama mit dem Kindergeld holen kann, fand ich das schon etwas krass. Andererseits: Unser Kindergeld geht fast komplett für die private Krankenversicherung für Leon drauf, in der wir derzeit gefangen sind. Wie ich es geschafft habe, aus der PKV raus zu kommen, lest ihr hier. Aber das ist ein anderes Thema.

autohausgerding

Zurück zum „umstrittenen“ Magazin. Da berichten Mütter auch mal ganz frei heraus über das, was sie nervt. Oder dass sie ständig von einem schlechten Gewissen geplagt sind. Egal was sie tun. Dass sie sich für jede Lebensrichtung immer wieder rechtfertigen müssen. Ehrlich. Direkt.

Leitsätze der Brigitte MOM wie „lebe lieber unperfekt“ sind mir ganz sympathisch. Die Brigitte MOM fesselt mich immer wieder.

Dass ich nicht die perfekteste Mutter bin, zeige ich heute gegen 11 Uhr vormittags bei Rossmann. Die Kassiererin schaut in den Buggy und macht mich liebevoll auf das sanft schlafende Kind aufmerksam.

Ich springe wie von der Tarantel gestochen auf und rufe: NEIN. Der soll zu Hause schlafen. Ich brauch den Mittagsschlaf für mich. Ich möchte dann gerne arbeiten.

Vor den Augen meines verblüfften Umfeldes nehme ich den Kleinen hoch und frage ihn, ob er nicht den Kinderwagen schieben möchte. Die Kinnlade der älteren Dame hinter mir sinkt ein wenig tiefer.

Leon dagegen hat beim Schieben eine Menge Spaß. Und ich habe aus dem Tag zuvor gelernt. Söhnchen hat im Netto geschlafen. Söhnchen hat auf dem Rückweg geschlafen. Söhnchen war zu Hause bis 21 Uhr putzmunter.

ziegefuettern

Was Leon jetzt macht? Er schläft friedlich in seinem Bettchen. Zwei Stunden lang. Ich kann euch schreiben und mich nachher intensiver um den Zwerg kümmern. Mit super Laune.

Die Brigitte MOM ist frech. Sie ist unkonventionell. Und sie zeigt, dass sich Mamas auch was wert sein sollten.

Aber sind denn nicht die aufopfernden Mütter die Besten? Welche, die sich nur noch auf die Kids konzentrieren? Hier gibt es meiner Meinung nach kein besser oder schlechter. Wichtig ist es, authentisch zu sein. Glaubt mir, ich bin heute – wo Leon seinen Mittagsschlaf macht – viel entspannter als gestern, wo ich nicht mal durchatmen konnte.

miniaturmuseum

Wenn eine Mutter ihr Leben komplett aufgibt und sich sauwohl dabei fühlt ist das super. Den Leon habe ich ein Jahr lang gestillt (die letzten drei Monate nur noch morgens und abends). Das habe ich gerne gemacht. Aber dann war mir wieder nach mehr Freiheiten. Jeden Schritt in die Selbstständigkeit meines Wonneproppen genieße ich total.

Ich kenne eine Mutter, die den ganzen Tag am Sandkasten sitzt und mit Förmchen spielt. So eine bin ich halt nun mal nicht. Ich habe auch andere Dinge im Kopf. Und um genau solche Mütter geht es in der Brigitte MOM. Frauen, denen bei all der Liebe zum Kind auch nach ein bisschen Business, Mode, Lebenslust und Glamour ist. Bist du auch so eine Mama,dann steh dazu. Denn: happy moms have happy kids.

leonundelischeba

Zurück zum Magazin. Ey liebe Redaktion, kann man mich nicht mal vorwarnen? Ich sitze da nichtsahnend im Flugzeug und dann fließen mir – angekommen auf Seite 68 – die Tränen. Schnell muss ich dem Blick der Stewardess ausweichen und aus dem Bordfenster schauen. Sonst wird es zu peinlich. Wieso? Was ist in dem Heft so traurig? Oder eher so rührend?

Titel „Ich habe nicht abgetrieben – wieso diese Kinder leben“.

Hammer Story. Hammer Fotos. Und dann kommt mein schlechtes Gewissen. Weil ich kürzlich einer Bekannten gesagt habe, dass ich ja ganz gern so in fünf Jahren noch mal loslegen würde, aber dann wäre „die Gefahr mit dem Down-Syndrom“ wegen des erhöhten Alters möglicherweise ein Problem.

Ich könnte mit so einer Situation nicht gut umgehen. Dafür bin ich nicht der Typ. „Mit so einer Situation“ ….. glaub mir …. du schämst dich für so eine Aussage, wenn du diese Bilder ab Seite 68 siehst. Die Wärme. Die Texte dazu. Die Erfahrungsberichte.

Und ja – die Fotos vermitteln dir auch die Schönheit dieser Kinder. Ihre innigen Gefühle. Die unserer perfekten Welt zeigen welche Tiefe im weniger perfekten liegt.

flugzeugberlintegel

Packend finde ich auch Erfahrungsberichte von Patchwork Müttern. Du blickst hinter die Kulissen. Nicht einseitig. Sondern richtig. Und verstehst.

Sexthemen hat die Brigitte MOM auch dabei. „Ich bin eine Samenräuberin“ in der einen und „Liebesakt auf der Waschmaschine“ in der anderen Ausgabe. Das Heft ist vielseitig. Ein Blatt vor den Mund nimmt man da weniger.

So. Mein kleiner Schatz wird gleich wach. Das war`s also mal wieder für heute. Wie findet ihr die Brigitte MOM? Schon mal gelesen? Freu mich auf euer Feedback und bis zum nächsten Mal.

Elischeba