Es ist diese typische Supermarkt Situation, die wir alle kennen. Die Mutter sagt „Nein, heute kaufen wir kein Eis“ und ihr Kind wirft sich schreiend mit hochrotem Kopf auf den Boden und zappelt heftig mit den Beinen.

Jeder kriegt es mit. Und alle gucken mit großen Augen – wie ein Auto.

Was Frau dann gar nicht gebrauchen kann: dumme Sprüche, wie „och das arme Kind, kaufen Sie ihm doch sein Eis“.

Besser: einfach als normalen Teil der Entwicklung eines Kindes akzeptieren. Versuchen die Nerven zu bewahren. Mit der beruhigenden Gewissheit, dass diese Phase irgendwann vorbei geht.

Darum geht es auch in dem Buch „Entspannt durch die Trotzphase“ aus dem DK Verlag, welches ich gerade begeistert lese. Aber was hilft denn nun wirklich?

trotzphasen

Was ich sehr hilfreich finde: Das Wissen, dass eine Trotzphase Teil einer gesunden Entwicklung eines Kindes ist.

Mit circa zwei Jahren wird so einem Zwerg bewusst, dass er sich behaupten muss, um in dieser Welt zu bestehen. Wächst das Temperament, die Neugier und die Mobilität eines Kindes, so bringt das für die Eltern generell mehr Herausforderungen.

Eine Mutter musste kürzlich schmunzeln, als ich ihr berichtet habe, dass wir unsere Kids auch dann total goldig finden, wenn sie sauer sind. Sie meinte, dass ich das nicht mehr sage, wenn die Trotzphase erst „richtig“ ausgebrochen ist.

Spielplatz Wildes

Eine andere hat mir erzählt, dass sie manchmal gedacht hat: „och was reden die alle, ist doch gar nicht so schlimm“ und schwups – zwei Wochen später ging`s los. Aber so richtig. Ist das normal?

Laut einer Studie aus den USA braucht der Kinderarzt in der Regel erst dann zu Rate gezogen werden, wenn das Kind mehr als vier Trotzanfälle pro Woche hat, die länger als fünf Minuten anhalten.

Gravierend ist es, wenn sich ein Kind dabei selbst verletzt, kratzt oder beißt und häufig aggressiv gegen andere Personen ist. Auch dann ist ein Gespräch mit einem Experten wichtig.

Trotzdem gilt: Ausnahmen bestätigen die Regel. Ich kenne eine Mutter, die mit ihrem Sohn drei ganz extreme Wochen erlebt hat. Vorher das liebste Kind. Nachher das liebste Kind. Aber diese drei Wochen wären für sie die Hölle gewesen – da fließen auch schon mal Tränen.

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Einige Eltern raten mir aus Erfahrung, dass ignorieren eine gute Methode ist, um Trotzanfälle zu mildern.

Worauf wir schwören: Ablenken!

Ein Beispiel aus dem Alltag im Hause Wilde: Der Sohnemann darf gelegentlich eine Kinder DVD gucken. Früher war es „Thomas und seine Freunde“. Dann wurde er „Chuggington“ Fan. Nachdem ich „zufällig“ mal eine Caillou DVD eingelegt habe, weil mir die Ohrwürmer der zuvor genannten auf die Nerven gingen, wurde Leon Fan des kleinen Jungen, der Vier ist und die Welt erlebt.

bienemajaNa gut. Wir haben uns auf „EINMAL EINE DVD gucken“ geeinigt. DVD zu Ende und der Mini Chef macht klar, dass er sie gleich noch mal anschauen möchte. „Neee Leon, eine haben wir gesagt!“

Prompt ruft der Knirps, dass er sie gern noch mal gucken möchte und will mit Mama verhandeln.

Erst versuche ich ihm zu erklären, dass ich weiß, dass Kumpels von ihm, die sogar noch ein ganzes Jahr älter sind, lediglich 15 Minuten pro Tag gucken dürfen und dass wir da doch mit einer ganzen DVD, die fast eine Stunde geht, doch echt „großzügig“ sind.

Ach ja, so ganz nebenbei nutzen wir diesen Verlgeich auch schon mal bei den Zubettgehzeiten. Wenn wir dem Knirps um 21 Uhr erklären, dass seine älteren Freunde jetzt bereits seit zwei Stunden im Tiefschlaf versunken sind.

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Aber zurück zur DVD. Dass andere weniger gucken dürfen, ist kein Argument für den Sohnemann. Er wäre ja jetzt nicht der Tim (Name geändert), sondern der Leon und er hätte genau jetzt in diesem Moment Lust darauf, die DVD noch mal zu gucken.

Und jetzt kommt`s. ABLENKEN. Ich schaue ins Kinderzimmer und rufe laut: „Boaaaa. Wer hat denn diese tolle Eisenbahn gebaut?“

Leon ganz stolz: „Das war ICH.“ Daraufhin möchte ich wissen, ob es noch eine weitere passende Brücke gibt und wie die Züge heißen.

Und schwups. Leon springt von der Couch und die DVD ist vergessen. Na ja. Klappt auch nicht immer. Aber immer öfter.

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Ein anderes Beispiel: Wir laufen vom Kindergarten zurück, während ich unser Baby vor mir her schiebe. Der Sohnemann hat viel Zeit. Ganz viel Zeit. Ich möchte ein bisschen schneller zurück.

Es kann passieren, dass der Mini Chef sauer wird, wenn ich ihm verbiete, weiterhin Stöcke zu sammeln oder jedes dritte Blatt aufzulesen. Mama hat es manchmal eilig und der Mini Chef findet, dass wir doch alle Zeit der Welt haben und ist absolut tiefenentspannt.

Also wende ich wieder meine Methode an. ABLENKEN.

„So, Leon, schauen wir mal wer als Erster zu Hause ist.“ Und dann rufe ich: „Emily, ob wir beide gewinnen?“ Und schon rast Leon los. „ICH BIN ERSTER. ICH BIN ERSTER.“ Und wir sind in fünf Minuten aus dem Kindergarten zurück 🙂

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Der Weg zum Kindergarten hin ist glücklicherweise sehr leicht, da der Mini Chef sich jeden Tag auf seine Freunde und aufs gemeinsame Toben freut.

Was kann sonst noch dabei helfen, Trotzphasen zu mildern? 

Ich finde, dass man den Kindern und auch sich selbst das Leben leichter macht, wenn es nicht zu viele Regeln und auch nicht zu viele Neins gibt.

Und wenn Kids zu Hause genug Ruhezonen haben. Kuschelecken mit Kissen und Decke. Platz für sich alleine. Möglichkeiten zum Relaxen. Raum, um Emotionen auch mal raus zu lassen. Zeit für sich. Nicht zu viele Termine. Frühförderung ist gut, wenn sie im Rahmen bleibt, aber ich halte nichts davon, wenn der Kalender eines Dreijährigen voller ist als von uns Erwachsenen.

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Dafür sorgen, dass das Kind glücklich und zufrieden ist. Möglichst nicht vor den Kindern streiten. Ist im Alltag vielleicht nicht immer vermeidbar, aber Kinder denken in so einer Situation schnell, dass sie Schuld sind.

Verfangen sich die Kinder während einer Trotzphase in ihren eigenen Emotionen, dann können auch viel Liebe und Umarmungen Wunder wirken.

Ich versuche Leon immer ernst zu nehmen. Für einen Dreijährigen mag etwas ein (großes) Problem sein, das für uns überhaupt keines ist.

Die oben angeführte Supermarktszene erlebe ich übrigens nicht. 

Nein, das liegt nicht daran, weil ich eine perfekte Supermutti bin oder weil ich ein unfehlbares Wunderkind habe. Nein, das liegt ganz einfach daran, dass ich immer dann einkaufen gehe, wenn der Knips im Kindergarten ist 🙂

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Und dann habe ich „nur“ Baby Emily dabei. Und bevor die Maus in die Trotzphase kommt, habe ich noch ein bisschen Zeit, noch mal durchzuatmen und neue Kräfte zu sammeln. Die ich dann wahrscheinlich auch brauche 😉 …

Was hilft euch bei Trotzphasen? Freue mich auf Feedback.

Sonnige Grüße von Elischeba

Photo Credits: Matthias Knue, Mark Eichenseher und Family Wilde (Models wir)

ebenfalls auf meinem Blog gern gelesen: wieso wir Kitas toll finden & Kinder immer nur das große Glück?

Spielplatz Wildes Juli 2015

Hinweis: Das Buch „ Entspannt durch die Trotzphase“ vom DK Verlag hilft Eltern praxisnah mit Infos zu Ursachen und Entstehung von Trotzanfällen und gibt Tipps für die „trotzige“ Zeit vom Babyalter bis zum Alter von sechs Jahren – hier gibt es mehr Infos (Danke für das Rezensionsexemplar)