Während ich erschöpft im Krankenhaus liege und mir das Antibiotikum in die Venen gespritzt wird, schaue ich auf meine kleine Maus neben mir. Ich habe mir eine Brustentzündung zugezogen. Dass passiert vielen stillenden Müttern.

Und dann denke ich daran, dass ich jetzt auch auf dem AIDA Schiff sein könnte – um als Meerjungfrau an einem Workshop für Unterwasserfotografen teilzunehmen.

Die Anfrage kam zu einem Zeitpunkt rein, als ich gerade zwei Monate schwanger war. Und ich hätte diesen Traumjob auch bekommen!

Was mir in diesem Moment bewusst wird? Dass ich durch das Mamasein etwas verpasse?

Nein. Definitiv nicht. Dass ich sogar in solchen Momenten unendlich glücklich darüber bin, zwei gesunde Kinder haben zu dürfen.

krankenhausinfusionAllerdings kommt mir auch noch etwas anderes in den Sinn: Dass ich glücklich darüber bin, vorher einiges erlebt zu haben.

Ich war nämlich schon ein paar Mal als Meerjungfrau, Moderatorin und Unterwassermodel unterwegs. Rund um die Welt!

Eine andere Situation: Rückweg vom Kindergarten. Baby schreit, weil es wieder Hunger hat. Söhnchen jammert, dass er müde sei und nicht mehr laufen kann. 20 Kilo schleppen und gleichzeitig Kinderwagen schieben? Schaffe ich nur fünf Minuten lang.

Zu Hause angekommen bin ich ziemlich gerädert. Bringe Leon etwas zum Trinken. Stille die Maus.

15 Minuten später schaue ich auf meine Kinder. Beide schlafen. Sie sehen dabei so unendlich süß und friedlich aus. Und ich bin total glücklich darüber, dass ich sie habe.

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Glück – Eine Eigenschaft, die laut der wissenschaftlichen Studie einer Soziologin von der Universität Tel Aviv nicht alle Eltern verspüren.

Das Ganze geht sogar noch einen Schritt weiter. Die Forscherin hat mit Frauen gesprochen, die – wenn sie die Zeit zurückdrehen könnten – nicht noch einmal Kinder bekommen würden.

Keinerlei emotionalen Gewinn sagt die eine. Nichts mehr als eine Auseinandersetzung mit dem Unvermeidbaren gesteht die andere. Ein absolutes Tabuthema. 

Was mich verwundert: Es wurden ausschließlich Frauen interviewt, die ihre Kinder bewusst geplant haben. Und sie nicht noch einmal bekommen würden.

Was ich fast schon erschreckend finde: Bei meinen Recherchen habe ich entdeckt, dass eine Mehrfachmutter ganz offen sagt, dass sie „alle drei nicht noch mal kriegen würde“. Das ist echt krass.

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Kürzlich habe ich mich mit meinem Mann darüber unterhalten, dass wir, als wir noch kinderlos waren, nichts vermisst haben. Und obwohl wir zugeben müssen, dass zwei Kids eine ganz andere Hausnummer sind als nur ein Wirbelwind, so sind wir überglücklich, dass wir sie beide haben.

Weil es so viele Momente gibt, die jede Anstrengung total in den Schatten stellen.

Wenn dich dein Kind von Herzen anstrahlt. Wenn es dir sagt, dass du sein bester Freund bist. Wenn es von heute auf morgen etwas Neues kann und dir das ganz stolz zeigen möchte.

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Schwierig sind manchmal gar nicht die Kinder, sondern die vielen Dinge, die nebenbei auch noch „perfekt“ laufen müssen.

Der Haushalt. Der Job. Der Garten. Die Beziehung. Der Freundeskreis, der weiter gepflegt werden soll.

Was ich durch meine Kids gelernt habe: Stehe dazu, dass du nicht überall perfekt sein kannst. Und es auch nicht sein musst.

Die Kids sind die letzten, die das von dir erwarten.

Muss Babykleidung unbedingt gebügelt werden? Darf das Kinderzimmer nicht auch mal ein paar Tage unaufgeräumt sein? Muss die Einschlafprozedur unbedingt eine ganze Stunde dauern? Kann man seinen Freunden nicht gestehen, dass man mal ein Gammelwochenende ohne Termine braucht? Wer sagt denn, dass der Bauch nach drei Wochen wieder so aussehen muss, wie vor der Schwangerschaft?

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Ich habe festgestellt, dass es auch guttut, Hilfe anzunehmen. Nicht nur Leon liebt seine KiTa. Ich finde diese Unterstützung auch klasse.

Außerdem freue ich mich jeden Abend darüber, dass mein Mann sich gerne mit den Kids beschäftigt und sie auch mal wickelt.

Wüsste ich, dass ich den Nachwuchs komplett alleine groß ziehen muss, würde ich wohl keine Kinder in die Welt setzen.

Dass ich mit Pierre zusammen eine kleine Familie habe, das finde ich jedoch total schön. Das gibt einen tiefen Lebenssinn und Geborgenheit. Und so viele glückliche Momente.

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Und was den Meerjungfrauen Job auf dem AIDA Schiff betrifft und meine früheren Reisen in ferne Länder:

Als Journalistin schreibe ich jetzt über Familienurlaub und habe festgestellt, dass es eine Menge Spaß macht, im Bällebad zu versinken oder über Programme für die Kleinsten zu berichten. Und dabei sieht Mami die Welt selbst mit Kinderaugen.

Und wer weiß, wo es für mich hingeht, wenn die Kids etwas größer sind …

Fazit: Wer als Mami auch ein bisschen an sich denkt, der ist glücklicher. And happy moms have happy kids.

Also seid mal alle schön unperfekt und bis bald wieder.

Elischeba

Photo Credits: Fotografen: Elischeba und Pierre Wilde sowie privat. Unteres Bild: Fotograf: Tomasz Kicinger. Models: Family Wilde

Sonstiges: hier gibt es mein Shooting mit fairer Mode