„Bitte nicht in der ersten Reihe! Da will ich nicht sitzen.“

Ich habe mit einer befreundeten Mami geplant, dass wir in der Kapelle dort Platz nehmen, wo uns keiner sieht. Wo man ungeniert heulen kann.

Weil ich auf dem Weg dorthin jedoch eifrig gequatscht habe, sind Pierre und ich die letzten.

Und welcher Platz bleibt für mich übrig? In der allerersten Reihe. Ach Du Sch…. Auf dem Präsentierteller.

Vor mir stehen die Erzieher. Wir Eltern sitzen auf langen Bänken zusammen. Für Pierre und mich bleiben nur außen zwei Einzelplätze frei. Ich frage Pierre, ob wir tauschen können.

Und nehme nun mit einer Pobacke in der zweiten Reihe außen Platz. Verstecken kann ich mich nicht.

Abschied vom Kindergarten
Fotografen: Elischeba und Pierre Wilde

Aber mal ganz von vorn. Bereits der Weg zur Kapelle ist voller Liebe vorbereitet.

Fußspuren mit den Namen der Kinder führen uns dort hin.

„Schau mal, da steht Leon auf dem Boden!“ ruft der Mini Chef laut. Auch andere Sechsjährige freuen sich über ihren Namen. Ist das nicht süß gemacht?

Alle Wackelzähne werden von ihren Eltern begleitet. Von manchen Kindern kenne ich lediglich einen Elternteil. Wo der Vater die Kids bringt, weil er Elternzeit hat. Oder wo der Papa bis in die Abendstunden auf Montage ist und die Mama den Anhang abholt.

Dinoland Zwolle - Dinopark für Kinder
Fotografen: Elischeba und Pierre Wilde

Heute sind alle Eltern da. Heute ist der große Tag.

Nachdem wir Platz genommen haben, laufen die Wackelzähne nach vorne – die bunten Fußspuren auf dem Boden zeigen den Weg.

Dann geht es los. Was ich euch direkt vorab verrate: Es ist emotionaler als mir Eltern berichtet haben.

Ein Mama Zitat: „Der Abschied fühlt sich an als wenn du Liebeskummer hast. Du spürst einen Schmerz in deinem Herzen. Und die leise Vorfreude auf einen Neuanfang.“

Family Wilde bei Sonnenaufgang
Fotograf: Hardy Krönert (Fuerte-Photo)

Die „Mittelkinder“ sollten ein paar Tage vorher bei jedem „Wackelzahn“ erzählen, was sie an ihm mögen. Das wurde auf die Rückseite der bunten Fußspuren geschrieben.

Nun liest eine Kindergärtnerin in der Kapelle von jedem Kind vor was andere wertschätzen.

Dabei dürfen die Wackelzähne raten, welches Kind gemeint ist. Das steht auf der roten Fußspur vom Mini Chef:

Er ist hilfsbereit und seine Zeichnungen werden oft als Ausmalbilder für jüngere Kinder genutzt. Und hat er gute Ideen.

„Das ist Leon!“ rufen die anderen.

Elischeba und Leon in Jütland
Fotograf: Pierre Wilde

Dann sind alle Fußspuren an der Tafel. Sie gehen vom Kindergarten Richtung Schule.

Absolut der Hammer sind die Lieder, die folgen. Dass jedes Kind so wie es ist toll ist. Jeder hat ein anderes Gesicht und andere Talente – aber jeder wird gebraucht.

Meine innere Stimme ruft mir zu, dass ich mich zusammen reißen soll.

Dann schaue ich auf die verquollenen Augen einer Kindergärtnerin. Das ist auch für Erzieher hart. Viele Wackelzähne hat das Team als Baby oder Kleinkind in Obhut bekommen.

Sämtliche Entwicklungsschritte erlebt. Tag für Tag. Wunden mit Pflaster versorgt, Streit geschlichtet, Windeln gewechselt, Essen verteilt und Geschichten vorgelesen.

Elischeba und Leon auf dem Spielplatz im Schwarzwald
Fotograf: Pierre Wilde

Als die Kinder im Chor singen: „Wie das Meer den Fischen habt ihr uns Heimat gegeben!“ kann ich mich nicht mehr halten.

„Wir sind jetzt groß, lasst uns los.“ Die Kinder wollen fliegen. Durch den Tag und durch die Zeit. Aber muss das so schnell gehen?

Selbst coole Väter lässt die Abschiedsfeier nicht kalt. Anschließend grillen wir zusammen im Garten. Jeder von uns hat etwas zum Buffet beigetragen.

Ich komme mit tollen Eltern ins Gespräch. Und unterhalte mich mit einer Erzieherin, mit der ich bis jetzt außer „Hallo“ noch kein Wort gewechselt habe. Weil sie in einer anderen Gruppe tätig ist.

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Fotograf: Andreas Wies

Die Erzieher bieten eine aufwendige Darbietung. Kinder singen und der Tag neigt sich dem Ende zu. Zum Schluss bekommen wir die Ordner unserer Liebsten mit, die eine wunderbare Zeit mit vielen Fotos dokumentieren.

Was Leon zum Abschied sagt? Er freut sich riesig auf die Schule. Und fragt, ob man die Ferien nicht überspringen kann.

Am Folgetag erzähle ich einer Freundin von der Abschiedfeier. Sie antwortet mir Folgendes:

„Jetzt geht es noch, Elischeba. Wenn du Emily abholst, dann wirst du mit Leon weiterhin in den Kindergarten gehen. Leon wird die Erzieher auch in Zukunft sehen. Er wird ihnen erzählen, wie es in der Schule läuft. Aber wenn Emily ihren letzten Tag im Kindergarten hat, dann ist es endgültig. Du weißt, dass du die Tür verschließt und nie mehr öffnest.“

hohes Gras von oben
Fotograf: Pierre Wilde

Jetzt seid ihr dran. Freu mich auf euer Feedback.

Elischeba

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