Wenige Tage vor Start der Mutter-Kind-Kur klingelt es an der Rezeption. Ich bin dran. Nun ja. Ich hätte auf Facebook gelesen, dass man um sieben Uhr beim Frühstück sitzen müsste und dass die Kids um 8 Uhr in die Kinderbetreuung gebracht werden, da ab 8 Uhr 15 Mamis Kurse, Behandlungen und Arzttermine stattfinden würden.

Allerdings wären meine Kinder es doch gewohnt bis 7 Uhr 30 zu schlafen und wenn ich sie vorher wecken würde, dann wären sie total unausgeglichen.

Erfahrungen
Fotografin: Elischeba Wilde

Manchmal schaffe ich es, bereits Chaos zu verbreiten, bevor ich überhaupt irgendwo erscheine. Mir wird am Telefon freundlich geantwortet, dass ich doch erst mal anreisen sollte und dann würde man schon schauen wie was klappt. Na gut.

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Fotografin: Elischeba Wilde – Models: Leon & Emily Wilde

Ganz davon abgesehen habe ich vor meiner dreiwöchigen Mutter-Kind-Kur auch ein gewisses Maß an Respekt vor der ganzen Aktion. Drei Wochen! So eine lange Zeit war ich noch nie mit meinen Kindern irgendwo alleine. Eigentlich hatte ich meinen Mann Pierre bis jetzt immer und überall als hilfsbereite Stütze dabei.

Morgen werde ich wieder an der Rezeption stehen. Mit großen Koffern in der Hand. Diejenige, die vorher alle verrückt gemacht hat, will jetzt gar nicht mehr weg.

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Fotografin: Elischeba Wilde – Models: Emily & Leon Wilde mit Freund

„Vermisst du denn gar nicht deinen Mann?“ fragt mich eine Kurgenossin schmunzelnd, als ich ihr gestehe, dass ich diese Kur wahnsinnig gern verlängern würde. Falls du jetzt von zu Hause aus mitliest, lieber Pierre: Klar vermissen wir dich! Abreisen ist hier trotzdem blöd.

Auf Facebook habe ich auch andere Sachen gelesen. Mütter, die ständig gepostet haben, wie sehr sie sich nach Rerik zurücksehnen. Manchmal mehrmals am Tag. Noch Jahre nach der Kur!

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Fotografin: Elischeba Wilde

Hm, dachte ich mir. Fahren die denn sonst gar nicht in den Urlaub? Ist doch „nur“ eine Kur. Ja. Es ist „nur“ eine Kur. Und jetzt bin ich auch so eine Mami, die hier auf ihrem Appartement sitzt, die Abschiedsmappen aus dem Kinderland in die Hand nimmt und die gar nicht mehr weg möchte. Ich gehe die gemalten Bilder von Leon durch und erinnere mich.

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Fotografin: Elischeba Wilde – Models: Emily & Leon Wilde

Wie ich einmal morgens um 10 Uhr erfrischt aus dem Meer gekommen bin und mir auf dem Rückweg am schönen Hafen die gut gelaunte „Seepferdchengruppe“ entgegen gelaufen ist.

„Mami, Mami!“ rief Leon, kam prompt auf mich zu gerannt, hat mit seinen Armen meine Beine umzingelt und freudestrahlend gerufen, dass er jetzt mit den anderen Kindern ein Eis essen geht und dass er sich Vanille aussuchen wird, weil das seine Lieblingssorte ist. Zucker!

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Fotografin: Elischeba Wilde – Model: Leon Wilde

Oder wie ich Emily aus der Betreuung abholen wollte und dann im Garten vor der Schneckengruppe ein kleines Mädchen total vergnügt auf der Schaukel gesehen habe. Breites Grinsen und fröhliches Gekreische.

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Fotografin: Elischeba Wilde – Models: Emily Wilde mit Freundin

Es gibt so viele Dinge, an die ich mich hier gern erinnere. Gemeinsames Walken mit Kurgenossen in der traumhaft schönen Natur des Ostseebades Rerik. Gespräche mit anderen Müttern, die mir im Laufe der Zeit größtenteils sehr ans Herz gewachsen sind. Und die ich echt vermissen werde! Weitere Treffen habe ich mit insgesamt Dreien recht grob ausgemacht.

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Fotografin: Elischeba Wilde – Models: Emily Wilde mit Freundin

Am meisten gelacht habe ich beim gemeinsamen Mutter-Kind-Turnen mit Leon, bei dem wir unheimlich viel Spaß hatten und wobei nebenbei unsere Beziehung als „Team“ gestärkt wurde. Überhaupt war das zwischen meinen Kindern und mir eine besonders intensive und besondere Zeit. Ich hatte auch die Möglichkeit mit jedem Kind mal alleine etwas zu erleben und mich dann auch mal auf nur eins zu konzentrieren. Als Mehrfachmami muss man seine Aufmerksamkeit ja manchmal teilen.

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Fotograf: Jens Wolter – Models: Elischeba & Leon Wilde

Wohltuend waren auch Inspirationen, welche mir die tolle Ärztin des Hauses mitgegeben hat, bei der ich ein paar tiefgründige Gesprächstermine hatte. Die sehr weitsichtige und überaus sympathische Dame hat mir dabei geholfen, tief eingeprägte Wertvorstellungen aus meiner Kindheit mit einem anderen Blickwinkel zu sehen und an gewisse Situationen weniger emotional dran zu gehen.

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Fotografin: Elischeba Wilde – Model: Emily Wilde

Als kleine Hausaufgabe hat sie mir das Buch „Im Augenblick leben“ empfohlen, welches Lesern hilft, in neun Wochen mehr Achtsamkeit zu erlangen. Ich hab ihr erzählt, dass ich das Buch lesen werde, aber das Konzentrieren auf den jetzigen Moment nebenbei auch super von meinen Kindern lernen kann. Wir Erwachsene machen das leider zu selten.

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Fotografin: Elischeba Wilde

Aber war denn alles nur schön, oder gab es auch echte Herausforderungen? Wie war das denn zum Beispiel mit dem frühen Aufstehen und den Regeln im Restaurant?

Nun, zu Hause kriegen wir die Kids manchmal kaum ins Bett, weil sie so lange fit sind. Aber hier waren sie – dank der tollen Seeluft – früher platt und morgens dementsprechend zeitig wach.

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Fotografin: Elischeba Wilde – Model: Emily Wilde

Die täglichen Restaurantbesuche waren natürlich eine echte Herausforderung. Links von mir die kleine Maus im Hochstuhl und rechts von mir der quirlige Mini Chef. Und Kinder sind nun mal nicht ewig mit ihrem Essen beschäftigt.

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Fotografin: Privat – Models: Elischeba Wilde & Kids

Gewöhnungsbedürftig war für uns die Regel, dass Kinder unter zehn Jahren nur in Begleitung der Eltern ans Buffet dürfen. In Hotels hatten wir Monate zuvor zum Beispiel häufig Kinderecken – Leon fand das immer besonders klasse, zu den Automaten zu laufen und uns alle mit Getränken zu versorgen.

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Fotografin: Elischeba Wilde

Wenn Leon Nachschub vom Buffet wollte, dann musste ich jedes Mal aufstehen, mit dem Mini Chef zu den Lebensmitteln laufen, Emily im Hochstuhl lassen und mich auf dem Weg ständig umdrehen, um zu überprüfen, ob bei der kleinen Maus alles in Ordnung ist.

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Fotograf: Emiliano Leonardi – Models: Emily & Elischeba Wilde

Und das, obwohl Leon doch eigentlich so selbständig ist. Aber auch das hat letztendlich besser geklappt, als vorher gedacht. Mami konnte nebenbei Konsequenz üben, was nicht zu Mamis Stärken gehört.

Spaziergang zum Salzhaff
Fotograf: Emiliano Leonardi – Models: Elischeba, Emily & Leon Wilde

Die Mutter-Kind-Kur hat mir viele Inspirationen für den Alltag gegeben. Sie hat meinen Horizont erweitert und mir neue Energie geschenkt.

Allen Mamis, die solch eine Kur vor sich haben, wünsche ich ebenfalls eine ganz tolle Zeit.

Zum Schluss möchte ich dem AWOSANO Team für die wertvollen Erfahrungen und schönen Momente danken. Und der Techniker Krankenkasse für den reibungslosen und unkomplizierten Ablauf.

Bis bald wieder und liebe Grüße von Elischeba

Photo Credits: Fotografen: Emiliano Leonardi, Elischeba Wilde und Jens Wolter – Models: Elischeba Wilde & Kids plus Freunde

Weiterer Artikel auf meinem Reiseblog:
Die schöne Umgebung der AWOSANO Kurklinik im Ostseebad Rerik