Die Bekannte steht vor mir in der Küche und ist total genervt. Vom Haushalt. Vom Kind. Irgendwie vom ganzen Leben.

Nachdem ich ihr ein bisschen zuhöre und sage, dass mir das leid tut, dass sie sich so ausgepowert fühlt, überlege ich, was helfen könnte. Ob sie sich denn schon mal Gedanken darüber gemacht hätte, ihre zweieinhalbjährige Tochter ein paar Stunden in die KiTa zu geben.

Die Kleine hätte bestimmt eine Menge Spaß und sie könnte auch mal in Ruhe die Fenster putzen, alleine den Wocheneinkauf erledigen oder auch einfach nur mal die Seele baumeln lassen.

Ein bisschen forsch antwortet sie mir, dass man Kinder ja nicht auf die Welt bringt, um sie abzugeben.

Ernie und Züge
Fotografin: Elischeba Wilde

Ein anderer Fall. Ein Kumpel erzählt mir, dass seine Frau ständig erschöpft ist, weil sie den Kids jeden Wunsch sofort erfüllt. Der Sohn sagt „Mama ich habe Durst“ und sie springt sofort. Jedes Mal. Sie lässt alles liegen und stehen. Das Problem: Der Sohn ist acht Jahre alt. Kann man in dem Alter nicht auch selbst mal in die Küche rennen?

Ist man nur eine gute Mutter, wenn man sich vorne und hinten verbiegt und total aufopfert? Oder darf eine Mami auch mal an sich denken?

Meine Meinung: Sie muss. Happy moms have happy kids. Nun, ich liebe es, meine Kids zu verwöhnen. Und ja, natürlich springe ich manchmal, wenn der Mini Chef auf der Couch sitzt und den Finger hebt. Ja, ich frage mich dann auch schon mal, ob ich da nicht einen Pascha heranziehe 😉

Ich finde meine Kids halt – wie jede andere Mutter auch – so wahnsinnig süß.

kidsclubleonmac
Fotograf: Pierre Wilde

Aber ich versuche mir auch Zeit für mich zu nehmen. Für Kinder ist das völlig in Ordnung. Ich habe zum Beispiel kürzlich zu Emily gesagt: „So, meine Maus. Du bist jetzt satt. Nun darf Mama mal 15 Minuten in Ruhe essen“ und hab sie neben mich auf die Krabbeldecke gesetzt.

Nun ja. So ganz gelingt mir das natürlich nicht immer. Wenn dann riesengroße Kulleraugen vor mir stehen und Patschehände kuscheln wollen, dann werde ich natürlich butterweich. Allerdings weil ich in diesem Moment weich werden möchte und weil es sich gut anfühlt. Nicht weil ich denke, dass ich das jetzt muss, um eine gute Mutter zu sein.

flaschetrinken
Fotograf: Pierre Wilde

Dafür nehme ich mir dann später Auszeiten. Es tut gut auch mal kleine Pausen einzuplanen. Oasen der Entspannung. Den Partner fragen, ob er abends mal eine halbe Stunde alleine mit den Kids klar kommt – um zum Beispiel joggen zu gehen. Sport an der frischen Luft ist sehr erholsam.

Ein bisschen Musik dabei hören und der Stress wird weggeblasen. Oder wie wäre einmal im Monat eine Massage bei der Kosmetikerin? Ein Yogakurs mit der besten Freundin? Kaffee trinken gehen?

yoganierstein
Fotograf: André Plath

Die Kids spielen im Garten? Wieso nicht einfach mal in den Liegestuhl legen, die Sonne genießen und ein spannendes Buch lesen? Und das Unkraut morgen rausreißen? Stört das wirklich so sehr? Die Kids bestimmt nicht.

Den Kleinen ist das auch egal, wenn es heute mal „nur“ eine Tiefkühlpizza gibt. Im Gegenteil – unser Mini Chef liebt „einfache“ Gerichte.

Und was ist, wenn die Rabauken zanken? Leon hat ständig seinen besten Kumpel bei uns zu Besuch. Manchmal stundenlang. Ich habe folgende Feststellung gemacht: Wenn ich die Zwei ihre kleinen Differenzen für sich ausmachen lasse, dann ist drei Minuten später eh immer wieder Frieden.

Also brauche ich mich gar nicht einmischen und ärgern. Spielzeug räume ich auch nicht immer sofort weg. Ist doch gemütlich, wenn nicht alles so steril ist.

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Fotografin: Elischeba Wilde

Aber hat die Bekannte Recht damit, dass man keine Kinder in die Welt setzen braucht, wenn man sie dann sowieso in die Betreuung gibt? Nun, wenn man einen 24-Stunden-Kindergarten aussucht, obwohl man nur vormittags arbeiten geht, dann würde ihre Aussage voll und ganz zutreffen 😉

Hier kommt es meiner Meinung einfach auf die Balance an. Man kann beim Jugendamt auch eine Tagesmutter für 15 Stunden die Woche vermittelt bekommen. Selbst wer nicht berufstätig ist, mag von der Zeit für sich profitieren.

Was hat ein Kind davon, wenn es zwar immer bei Mama ist, die aber total gestresst und überfordert reagiert?

Bei den Indianern gibt es nicht umsonst den weisen Spruch, dass ein ganzes Dorf benötigt wird, um ein Kind großzuziehen.

Hätte ich ne coole Oma um die Ecke, die sagen würde: „Hey, ich pass mal am Wochenende auf die Zwerge auf, gönnt ihr euch als Paar ein Wellness Wochenende im Hotel,“ dann würde ich zuschlagen. Sofort. Natürlich nur, wenn ich weiß, dass meine Kids, da wo sie sind, auch Spaß haben.

dreamteam2011
Fotografin: Henriette Mielke

Dass man seine Hobbys reduziert, wenn man Mutter wird, mag normal sein. Frau hat als Mama einfach weniger Zeit als vorher – das ist ganz normal.

Aber sie völlig aufzugeben, ist auch nicht unbedingt nötig. Ich rede mit dem Mini Chef ganz offen. „Mama braucht mal kurz ein paar Minuten für sich.“ Kinder verstehen das. Einfach ausprobieren.

Ich finde es zum Beispiel schön, mich zwischendurch auch mal mit Erwachsenen zu treffen und auch über andere Dinge als Kinder zu reden. Natürlich sind meine Kids das schönste Gesprächsthema. Aber ein bisschen Abwechslung tut auch mal gut.

Wenn Mama nach der Yogastunde oder dem Frauentreffen umso entspannter Bücher vorliest, kuschelt und tobt, dann ist das doch für alle cooler. Kinder spüren, ob die Mutter zufrieden ist oder nicht.

collagesprungtest
Fotograf: Pierre Wilde

Also: Mama MUSS auch mal Zeit für sich haben. Oder? Wie seht ihr das? Bin gespannt auf eure Kommentare. Auch wenn ich nicht immer sofort zum Antworten komme (Sorry), dann freue ich mich doch über jedes Feedback hier auf meinem Blog.

Herzliche Grüße von Elischeba