Och nö. Danach ist mir jetzt gar nicht. Hab momentan keine Lust zu lesen, was bei einer Frau „in meinem Alter“ alles schief gehen kann.

Freundlich gebe ich der Empfangsdame das kleine Heft zurück, in dem über die Risiken von sogenannten „spät gebärenden Mütter“ aufgeklärt wird.

Inklusive einer Tabelle, wie hoch die Wahrscheinlichkeit ist, dass eine 38-jährige werdende Mutter ein Kind mit Down-Syndrom bekommt. Aber auf das Ersttrimesterscreening bin ich trotzdem neugierig.

Gibt auch wieder tolle Ultraschallbilder. Wenn du über 35 Jahre alt bist, dann bekommst du diese Untersuchung in der Regel von deiner Krankenkasse bezahlt – frage dann doch einfach deinen Frauenarzt, ob er dir diese verschreibt.

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So, jetzt sind wir endlich dran. Meine beiden Männer habe ich zur Verstärkung dabei. Dr. Jaspers begrüßt uns mit den Worten, dass es eine tolle Überraschung ist, uns wieder zu sehen – immerhin hat er damals geholfen, meinen knapp fünf Kilo schweren und knapp 60 Zentimeter großen Brocken auf die Welt zu bringen.

Und der freut sich jetzt auch auf „Baby gucken“ wie er immer so schön sagt.

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„Ist das ein schlechtes Zeichen, wenn Sie gar nichts sagen?“ frage ich den Doc nach ein paar Sekunden.

Diese Ungeduld von mir kennt der Chefarzt ja bereits aus dem Kreißsaal. Nein, er wäre lediglich die Organe am suchen, antwortet er mir leicht schmunzelnd.

Kurz darauf beginnt er auch schon mit den Erklärungen. Wirbelsäule normal, Magen gut darstellbar. Sehr gut, antworte ich. „Dass der Nacken auch normal sichtbar ist, heißt ja, dass ich mit großer Wahrscheinlichkeit kein Kind mit einem Down-Sndrom bekomme, nicht wahr?“

Dass ich immer schon zwei Schritte weiterdenke, ist er ebenfalls von mir gewohnt. Dann erklärt er mir, dass die Sichtbarkeit des Nasenbeins für diese Untersuchung auch von großer Wichtigkeit ist.

Aber da seien wir gleich dran. Wie schön! Das Nasenbein ist sehr gut darstellbar und sieht hervorragend aus.

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„Ey, alles gut, Mama!“ würde mein Söhnchen Leon jetzt sagen.

Der Arzt drückt es ein wenig gezielter aus: Mein Risiko, ein Kind mit Down-Syndrom zu bekommen, liegt jetzt nur noch bei 1 : 2.384. Vorher dagegen aufgrund „meines Alters“ bei 1 : 119. Das ist doch schon ein kleiner Unterschied. Der rechnerische Geburtstermin wäre der 09. Februar 2015. Der Geburtstrmin gemäß dem Ultraschall bereits der 07. Februar 2015.

Wahnsinn, wie viel wir schon sehen können. Den Körper. Arme, Hände und Finger. Beine. Alles dran. Ein kleiner Mensch, der am Daumen nuckelt und dessen Herzschlag zu hören ist.

Für einen Augenblick läuft mir ein Schauer über den Rücken. Immer wieder treiben Frauen ihr Kind ab. Ich kann verstehen, dass es Umstände im Leben gibt, wo man mit einem Kind total überfordert ist. Aber dafür gibt es ja auch Adoptionen oder zur Not auch Babyklappen.

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So, der Schauer ist wieder weg und meine Neugierde groß. Eigentlich darf er noch nichts sagen und er kann es auch noch gar nicht. Aber ich setze meinen ganzen Charme ein und frage ihn, ob er bitte bitte bitte nicht mal gucken könnte was es wird. Der Doc erklärt mir, dass die 13. Woche dafür noch zu früh ist.

Dann erzähle ich ihm, dass ich im Internet recherchiert hätte. Das Kind sei drei Tage nach Beendigung meiner Periode entstanden. So lange vor dem Eisprung sei die Wahrscheinlichkeit äußerst hoch, dass es ein Mädchen wird.

Aber gemäß dem chinesischen Empfängniskalender würde ich wiederholt einen Jungen erwarten. Mit dem Alter der Mutter sowie dem Monat der Empfängnis sei das ja in Sekunden herauszufinden.

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Der Chefarzt grinst wieder. Er schaut noch mal nach und antwortet bedächtig. Tja, Sie kriegen dann einen Jungen und ein Mädchen.

Meinem Mann bleibt kurz das Herz stehen. NEIN! DAS IST DOCH JETZT EIN WITZ ODER? Ich muss mich kurz schieflachen, da ja deutlich zu sehen ist, dass da nur ein Kind da ist.

O.K. O.K. O.K. er zoomt noch mal ran und schaut ganz genau. Wiederholt sagt er mir, dass er noch absolut gar keine Garantie geben kann – dass es dafür einfach zu früh ist.

Ach kommen Sie, erwidere ich, Sie haben doch so viel Erfahrung. Was sagt denn Ihr Gefühl?

Ein kleines bisschen sehen Sie doch schon was.

Stimmt.

Ein kleines bisschen ja.

Und er tippt auf ein MÄDCHEN!!!!!!!!!!!!!

Das wars für heute – bis zum nächsten Mal und liebe Grüße von Elischeba

Photo credits:
Ultraschallbilder: Krankenhaus Coesfeld und Gyn Velen.
Bild unten: Fotograf: Olaf Habig – Model: Elischeba Wilde – H&M / Styling: Elischeba Wilde