Kennst du das Gefühl? Du weißt, dass dir eine Flugreise mit kleinen Kindern bevorsteht und hast Angst, dass vorher was schief geht. Dass dein Kind die Masern kriegt oder du dir auf dem Glatteis beide Beine brichst.

Einige Menschen sagen, dass man das in sein Leben zieht, was man fürchtet.

Das scheint sich bei mir zu bewahrheiten. Zwei Tage vor der Abreise laufe ich in unseren Abstellraum. Eigentlich wollte ich meinen Kopfhörer suchen. Um im Urlaub „Shades of Grey 2“ weiter zu hören. Teil 1 habe ich auf Teneriffa gelesen.

Plötzlich schrecke ich auf. Der Boden ist voller Wasser. Hilfe!

Shades of Grey
Fotografin: Elischeba Wilde

Wir schauen im Keller nach. Die Decke vom Raum darunter ist klitschnass. Eine Überschwemmung auf dem Boden. Alles stinkt.

Bitte nicht! Mit meinem Schatz Pierre räumen wir auf – damit die Handwerker am Folgetag loslegen können. Wir unterhalten uns darüber, dass das Glück im Unglück ist. Immerhin sei es schlimmer, wenn man die Fluten drei Minuten vor der Abreise entdeckt. Stimmt.

Mehrmals rutsche ich auf dem klitschnassen Fußboden beinahe aus. Mein Mann Pierre nimmt sich im Keller die dunklen Spinnenecken vor. Lieb von ihm. Wir unterhalten uns zwischendurch darüber, dass wir froh sind, wenn wir den Hinflug geschafft haben. Immerhin habe ich so viele Koffer gepackt, dass wir damit auswandern können.

modelundmamablog
Fotografin: Elischeba Wilde

Heute – am Tag vor der Abreise – ist unser Kindergarten geschlossen. Es ist schön, die zwei Süßen in meiner Nähe zu haben. Stressig sind nicht die Zwerge, sondern das ständige Multitasking. Immerhin muss ich Wäsche sortieren, aufräumen und weiter Koffer packen. Mittags hat jedes Kind andere Essenswünsche.

Während Emilys Mittagsschlaf bekomme ich plötzlich starke Nierenschmerzen. Nein, bitte nicht einen Tag vor der Abreise krank werden.

Die Arztpraxen sind bis 15 Uhr geschlossen – mein Hausarzt hat gar keinen Dienst mehr. Ich recherchiere im Internet. Ich gebe „Schmerzen rechte Niere“ bei Google ein.

Gemäß diversen Fachseiten habe ich entweder einen Tumor oder Vorzeichen von Nierenkrebs. Ich überlege, ob ich mit meiner Familie in den Urlaub fliegen soll, bevor ich sterbe.

Family Wilde im Sonnenaufgang
Fotograf: Hardy Krönert (fuertephoto)

Um 15 Uhr 15 muss ich erstmal mit dem Mini Chef zum Zahnarzt. Die kleine Maus sitzt im Kinderwagen und wir beide laufen durch die halbe Stadt. Immerhin hat die Zahnärztin, die in unserem Kindergarten zu Besuch war, angekreuzt, dass Leons Milchzähne erkrankt sind.

Damit der kleine Mann im Urlaub keine Beschwerden bekommt, gehe ich einen Tag vor der Abreise zum Zahnarzt.

Nach einer halben Stunde sind wir dran. Alles in Ordnung. Leon hat super Zähne, sagt der Doktor. Schön. Das freut mich.

Erstens weil es dem kleinen Mann gut geht. Er soll kein Aua haben. Zweitens, weil wir die Zähne unserer Kinder nicht versichert haben. Mein Mann ist nämlich privat versichert und muss die Kids ebenfalls privat versichern.

In unseren monatlichen Tarifen für die Kinder sind Zähne – wie viele andere Dinge auch – nicht abgedeckt. Müssen wir also zu 100 Prozent selbst zahlen. Aber das ist ein anderes Thema. Bleibt gesetzlich versichert. Ist mit Kindern besser.

Geld_2
Fotografin: Elischeba Wilde

Damit der Mini Chef nicht nochmal durch die halbe Stadt laufen muss, frage ich die Mutter von Leons bestem Kumpel, ob sie Leon beim Zahnarzt abholen kann. Klappt. Danke, Danke, Danke!

Bei dem einzigen Arzt, der nachmittags bis 17 Uhr Dienst hat, komme ich am Telefon nicht durch. Der Anrufbeantworter sagt mir, dass ich später erneut anrufen soll.

16 Uhr 30. Ich renne mit einer schreienden Mini Chefin im Kinderwagen quer durch die Stadt. Überlege mir innerlich meinen Text. Ob ich freundlicherweise kurz vorsprechen darf, weil ich Schmerzen habe und morgen in den Urlaub fliege. 16 Uhr 45 stehe ich vor der Tür. Völlig außer Atem. Das ist jetzt nicht wahr, oder?

Neuerdings hat der Arzt freitagnachmittags nicht mehr offen. Meine App ist nicht auf dem neusten Stand.

familienfoto
Fotograf: Zoltan Takacs

Ich rufe meinen Schatz Pierre im Büro an. Wenn ich im Stress bin, dann hilft nichts so wie er. Seine stets ruhige Art. Er verspricht mir sanft Unterstützung – sobald er zu Hause ist.

Dann laufe ich weiter zum Schneider. Wegen eines Lochs in der Jeans. Mist. Der hat – ausgerechnet diesen Freitagnachmittag – geschlossen.

Mit der ungeduldigen Mini Chefin geht es in den Supermarkt. Proviant fürs Flugzeug kaufen. Weil sie zu Hause spielen möchte verspreche ich ihr, dass ich mich beeile.

Auf dem ganzen Rückweg überlege ich, was wir vergessen haben. Irgendwas fehlt doch. Zu Hause angekommen fällt es mir ein. Ich wollte Emily feste Sommerschuhe kaufen. Ach egal. Im Flugzeug zieht sie ihre Herbstschuhe an. Im Koffer habe ich Badeschuhe und Ballerinas. Leichte rosa Gummistiefel haben wir ebenfalls.

superfit_kinderschuhe
Fotografin: Elischeba Wilde

Wieso ich jetzt Zeit habe euch zu schreiben? Der beste Kumpel vom Mini Chef ist nun hier. Der ist wie ein Babysitter. Die Mini Chefin findet den auch toll. Die spielen zusammen. Zucker!

Jetzt lege ich unsere Reisepässe bereit. Erinnert ihr euch an den Trip vor Südfrankreich? Das passiert uns garantiert nicht noch mal.

Mal schauen was heute noch schief geht. Wie ich mich fühle? Urlaubsreif.

Bis bald.

Elischeba