Anfang 2012 sitze ich mit großem Babybauch vor meiner Freundin auf der Couch. Ich beobachte ihre zwei Jungs. Spüre einen Mix aus Vorfreude und Respekt. Was kommt bloß auf mich zu?

Die Freundin berichtet es mir. Als kürzlich spontan Besuch vor der Tür stand, hätte sie ausgesehen wie ein gerupftes Huhn. Ach, eigentlich schlimmer. Der Vorgarten voller Unkraut. Die Wohnung total unaufgeräumt. Ihre Haare fettig. Am Körper hat sie ihren Schlafanzug getragen. Um 12 Uhr mittags.

Elischeba mit Babybauch
Fotograf: Daniel Attia

Au Weia. Das sind Aussichten. Aber diese Freundin lächelt dabei. Nimmt sich selbst nicht so ernst und sieht die Sache mit Humor. Fügt hinzu, dass man das mit den Kindern wie mit dem Wetter sehen muss.

Man weiß nie was kommt. Plötzlicher Schauer. Tagelanges Grau. Aber nach jedem Regen scheint die Sonne. Und dann richtig. Die Glücksmomente, die man mit Kindern erlebt, gleichen alles aus.

liebling
Fotografin: Elischeba Wilde

Und jetzt, wo ich selbst zweifache Mami bin, kann ich das bestätigen. Nichts hilft so sehr, wie sich auf die schönen Dinge zu konzentrieren. Die magischen Momente. Das erste Lächeln, die ersten Schritte oder ein paar dankende Worte.

„Mama, ich hab dich so lieb wie die ganze Welt groß ist.“ Das geht runter wie Öl. Auch Blicke auf die schlafenden Wonneproppen, die so wahnsinnig friedlich aussehen, lassen jede Anstrengung vergessen.

mutterundkind
Fotograf: André Plath

Wer es als Tatsache sieht, dass Kleinkinder und Perfektionismus nicht zusammen passen, der geht leichter durch die ersten Jahre.

Mein Schatz Pierre und ich versuchen Herausforderungen mit Humor zu sehen. Wir unterhalten uns manchmal schmunzelnd darüber, dass wir das Personal unserer Kids sind.

Und dass es Situationen gibt, wo wir wie Darsteller einer schrägen Chaos-Comedy Show wirken. Wenn Emily zwei verschiedene Socken trägt und sich ihr Stuhlgang im Restaurant plötzlich auf unserer Hose verteilt. Wenn man es am wenigsten gebrauchen kann, fliegt das Geschäft an den Seiten der Windel raus. Wahh…

autositzfuerkids
Fotograf: Pierre Wilde

Planen geht vielleicht noch in der Schwangerschaft. Wir haben in einer fröhlichen Runde mit einem Glas Bier in der Hand mögliche Vornamen mit Doktortiteln zitiert und die Meinung vertreten, dass Spielzeug nur ins Kinderzimmer gehört.

Doch ist das Baby da, wird das Leben unberechenbar. Auch hier mag ein bisschen Leichtigkeit helfen. So zart die Kleinen auch sind – so viel falsch machen kann man nicht. Liebe geben, kuscheln, dafür sorgen, dass der Nachwuchs satt ist und draußen richtig anziehen.

elischebamitkindern
Fotograf: Pierre Wilde

Kleinkinder erwarten kein perfektes Essen. Der Mini Chef bevorzugt Nudeln ohne Sauce und wünscht zum Dinner manchmal lediglich Bananen. Aufs liebevoll gekochte Dreigangmenü von Papa hat er keinen Bock.

Natürlich sollten Kinder nicht im Müll groß werden. Aber muss alles super aufgeräumt und steril sein? Nö. Im Gegenteil. Kids, die draußen im Dreck spielen, sind nachweislich gesünder. Leon hat schon mal drei Tage altes Regenwasser getrunken und lebt noch. 😉

Lama an der Hand
Fotografin: Elischeba Wilde

Nächste Woche bekomme ich Besuch von einer werdenden Mutter. Dann werde ich diejenige sein, die gefragt wird, wie das so ist. Ein bisschen chaotisch. Unberechenbar. Aber viel mehr schön als anstrengend. Diesen Mix aus Erschöpfung und Glücksgefühl, den eben nur Eltern kennen.

Bis bald und liebe Grüße von Elischeba