Als Kind hatte ich ständig Angst vor meinem Vater. Aber so richtig. Wenn unser Mini Chef dagegen unsere Familie malt, dann sind er und mein Mann Pierre auf der Zeichnung häufig gleichgroß.

Ein Papa auf Augenhöhe? Fakt ist, dass sich die Rolle des Vaters in den letzten Jahren sehr gewandelt hat. Nun, mein eigener Vater hatte zwar besonders in der Vorschulzeit viel mit mir gespielt und mir eine Menge beigebracht.

Aber dominiert haben leider Strenge, Unterdrückung und Gewalt. Ich habe damals häufig Mädels beneidet, deren Väter stolz auf sie waren. Die ihnen viel Freiraum und Liebe gegeben haben. Die einfach ein bisschen lässig und cool drauf waren. Und die auch mal ein Auge zudrücken konnten.

Väter die Elternzeit nehmen, Väter die wickeln, Väter die Babybrei füttern und Väter, die auch mal Schwächen zeigen – solche Väter sind heutzutage in. Kuschel-Papa und Kumpel anstatt strenge Autoritätsperson.  

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Kürzlich habe ich ein Gespräch unter Müttern mitbekommen. Sie haben sich darüber unterhalten, dass ihre Männer nicht konsequent genug sind. Dass ihre Männer ihren Kindern zuviel erlauben. Und dass ihre Männer „ohhhh du armes Kind“ rufen, wenn der Kleine fällt. Dass sie selbst strenger wären als ihre Männer.

Könnt ihr euch vorstellen, dass diese Unterhaltung unter Müttern vor 50 Jahren stattgefunden haben könnte? Ich glaube, da war es eher üblich zu sagen „Warte mal, bis der Papa nach Hause kommt, dann gibt es was auf die Löffel.“

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Natürlich müssen ein paar Regeln sein. Eine gewisse Art von Führung und Lenkung wünschen sich Kinder sogar. Viele Väter, die aktuell Nachwuchs unter 18 haben, gehen das Thema Erziehung mit Milde und Verständnis an.

Witzig, charmant und kumpelhaft. Einen Weg zeigend, aber eher auf freundschaftlicher Augenhöhe anstatt von oben herab. Das ist eine Tendenz, die mir sehr gefällt. Ein Kuschelpapa zum Liebhaben. Und Umfragen zeigen, dass sich Väter viel mehr Zeit mit ihren Kids wünschen. Meiner auch 😉

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Dass Leon seinen Papa regelrecht vergöttert, finde ich toll. Allerdings gibt es Situationen, wo er ruhig ein bisschen „dezenter“ Papa-Kind sein könnte.

Ein Beispiel. Wir gucken zusammen Bambi. Ich: „Oh, das ist aber schlimm! Bambi hat jetzt gar keine Mama mehr.“

Der Mini Chef: „Aber Mamaaaa, Bambi hat doch noch seinen PAPA.“

Ups. O.K. Verstanden.

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Heutzutage gibt es auch immer mehr Väter, die gerne kochen.

Da Mütter meist auch arbeiten gehen müssen oder wollen, wachsen Kinder häufig nicht mehr mit den klassischen Rollenbildern auf.

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Respekt gegenüber den Eltern ist wichtig. Aber ich finde, dass kleine Menschen ebenfalls Respekt brauchen. Wieso einem Dreijährigen nicht erklären, warum er etwas nicht darf?

Wenn man es zum Beispiel eilig hat, dann mag das nicht immer klappen. Aber ich finde, dass wenn Kinder verstehen, wieso es bestimmte Regeln gibt, dann mag es einfacher sein, diese einzuhalten.

Mein Mann Pierre möchte unseren Kindern Orientierung geben und Wege vorstellen, aber in erster Linie ein guter Freund für sie sein.

papaemily

Toll finde ich Väter, zu denen Kids immer mit ihren Problemen kommen können. Die ruhig und gelassen reagieren. Und die auf freie Entfaltung setzen.

Kinder können alles werden, wenn sie im Moment einfach nur sie selbst sein dürfen.

Und wenn der Mini Chef seinem Papa gehorcht, dann wissen wir, dass er das tut, weil er auch selbst davon überzeugt ist. Aus Liebe.

Und nicht aus Angst.

Bis bald wieder und sonnige Grüße von Elischeba

Photo Credits: Elischeba Wilde