Auswandern nach Neuseeland. Ans Ende der Welt. Wer von uns hat sich noch nicht bei dem Gedanken erwischt, dass dieses Abenteuer ziemlich reizvoll wäre?

Heute unterhalte ich mich mit Frida Petersen, die sich diesen Traum sogar mit Zwillingen erfüllt hat und mit ihrer Familie (meist) glücklich in Neuseeland lebt.

Wir unterhalten uns über Herausforderungen, Kinderwunschtherapie und Alltagsdinge 180 Grad anders herum.

Elischeba: Liebe Frida, wieso war Neuseeland euer großer Traum für dich?

Frida: Ich habe vor zehn Jahren für ein gutes halbes Jahr hier gelebt und ein Praktikum gemacht. Schon nach dem dritten Tag war mir klar: Hier will ich irgendwann mal leben. Zehn Jahre später habe ich meinen Mann und meine zwei Kinder in den Urlaub nach Neuseeland geschleppt. Schon nach dem dritten Tag war mein Mann überzeugt: Hier wollen wir leben!

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Elischeba: Auswandern wollen und dann noch zum anderen Teil der Welt – wie haben Familie und Freude reagiert?

Frida: Von der Idee, es wirklich zu wagen bis zum One Way Abflug lagen bei uns nur sechs Monate. So schnell, entschlossen und tatkräftig wie wir das Ganze umgesetzt haben, blieben viele offene Münder und staunende Augen, denn: Wer macht das schon? Spinnen die? Wo bitte ist Neuseeland? Die Reaktionen waren sehr gemischt. Von ‘ich will auch!’ bis ‘aha. Na wenn ihr meint…’ war alles dabei.

Elischeba: Das kann ich mir vorstellen. Welche Hindernisse musstet ihr denn selbst überwinden?

Frida: Formulare, Visa-Anträge, Health Checks, Unterlagen, Visa Gebühren, Jobsuche, Sprachtests, Wohnungssuche und die Finanzen. Wer alles verkauft, was er hat, macht immer einen großen Verlust, finanziell, und wenn man sich dann auf der anderen Seite der Welt wieder alles neu aufbauen muss, ist das schon komisch. Aber im Großen und Ganzen ging eigentlich alles ganz einfach, wirklich.

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Elischeba: Im Großen und Ganzen alles ganz einfach … aber mit Zwillingen? Wie schafft Frau das alles „mal zwei“? 

Frida: Wie wir die Flüge geschafft haben, einmal Urlaub, einmal auswandern, insgesamt 90 Stunden im Flieger, weiß ich nicht mehr so richtig. Ansonsten sind unsere Zwillinge reisefreudig und schlafen ohnehin so schlecht, dass es auch schon egal ist, wie oft sie sich an eine neue Umgebung gewöhnen. Hauptsache Mama und Papa sind da, dann ist alles gut.

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Elischeba: Wie lebt ihr nun in Neuseeland?

Frida: 180 Grad anders herum. Nicht nur geographisch. Ich bin zurück im Beruf und arbeite wieder Vollzeit, nachdem ich zweieinhalb Jahre mit den Zwillingen zu Hause war. Hans ist nun mit ihnen zu Hause und sorgt für sie, drei Tage die Woche gehen sie in den Kindergarten und am Wochenende sind wir meist am Strand.

Wenn das ganz normale Leben es zulässt, also kein Kind krank ist, kein Klempner kommen muss, wir nicht Hausputz machen müssen oder einen Großeinkauf planen.

Elischeba: Ihr seid eine glückliche Familie mit zwei süßen Kids. Da ich auch ein paar Leser habe, die schon länger versuchen Eltern zu werden, möchte ich dich nach Tipps fragen. Du hast Erfahrungen mit einer Kinderwunschtherapie – was kannst du Paaren empfehlen, die sich Nachwuchs wünschen, wo es aber nicht auf Anhieb klappt?

Frida: Darueber sprechen. Das hilft gegen die Verzweiflung. Und zum Arzt gehen. Das hilft gegen die Hilflosigkeit. Leider kann nicht jedem geholfen werden, aber in den weitaus meisten Fällen reicht schon eine Überpruefung der Hormone oder eine einfache Behandlung, um zum Erfolg zu führen.

Wir hatten das volle Programm, mit Operation, Hormonspritzen, Punktion und allem, was dazu gehört. Es war fürchterlich anstrengend und eine Grenzerfahrung.

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Aber am Schluss war ich schwanger, mit Zwillingen. Meine Erfahrungen habe ich in einem Tagebuch notiert, das auf Amazon als EBook zu kaufen ist. Ich denke, das ist der beste Einblick, den man in den Alltag einer Kinderwunschtherapie bekommen kann.

Eine Garantie gibt es nicht, aber die Erfolgsquoten sind enorm und wenn man sich an ein renommiertes Zentrum wendet und trotz aller Verzweiflung und Angst auf Quacksalber verzichtet, die Vitamine und Handauflegen anbieten, stehen die Chancen gut. Leider nicht für jeden. Dann gibt es da noch viele, viele Kinder, die ein neues zu Hause suchen. Das wäre unsere zweite Option gewesen. Denn ganz ohne Kinder – das war gar keine Option.

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Elischeba: Wow ich bekomme eine Gänsehaut – wie schööön, dass es geklappt hat! Glückwunsch noch einmal! Eure Kids wachsen in Neuseeland auf – was ist alles anders als bei uns?

Frida: Alles. Neuseeland ist ein kinderfreundliches Land wie ich es noch nirgendwo anders gesehen habe. Kleine Kinder gehören hier zum Alltag, die Bevölkerung hat durchschnittlich drei Kinder. Es gibt Einkaufswägen in den Supermärkten mit Doppelsitzen. Für zwei Kleinkinder. Oder einem Sitz und einer Babyschale. Das ist hier selbstverständlich. Überall gibt es Spielplätze wie man sie in Europa selten findet. Große Flächen, durchgehend gepolsterte Böden, Stationen für verschiedene Altersklassen, von 0 bis 15 wird hier jeder glücklich. Ok, auch viele 5-jährige werden hier glücklich. Ich bin immer wieder überrascht, wie selbstverständlich die Restaurants und Geschäfte Ecken und Tische bereitstellen, an denen Kinder sich beschäftigen können.

Bei Michael Hill, einer großen Juwelierkette, stehen Kindertische und Stühle in der Mitte – samt Papier und Stiften. Beim Automechaniker im tiefsten Buschland finden wir ein Schaukelpferd und eine große Kiste mit Kinderspielzeug. Für die Wartezeit. Die Apotheke hat Holzpuzzle und jeder Arzt und jedes Krankenhaus hat einen abgetrennten Kinderbereich mit Spielzeug und Büchern. Kinder sind in dieser Gesellschaft nicht nur willkommen, sie sind selbstverständlich und werden als vollwertiges Mitglied angesehen. Als vollwertiges, malendes, spielendes, lärmendes, Kekse benötigendes Mitglied.

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Elischeba: Echt klasse. Was gefällt euren Kids in Neuseeland am besten?

Frida: Sie sind zweieinhalb, ich vermute es ist ihnen noch ziemlich egal, wo sie sind. Hauptsache Mama und Papa sind da. Aber sie spielen stundenlang total versunken mit den Muscheln am Strand, denn Auckland hat allein im Stadtgebiet über 80 Strände, lieben ihren neuen Kindergarten und die viele Zeit, die wir nun für sie haben. Denn im Gegensatz zu Deutschland gibt es hier 37 Stunden Wochen – und nach vier Monaten kann ich bestätigen, dass ich nur drei Tage nach 18 Uhr zu Hause war – und das nur aufgrund des Verkehrs.

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Elischeba: So eine 37 Stunden Woche würde ich bei uns auch gern einführen lassen 😉  Würdet ihr den Schritt als ganze Familie auszuwandern wiederholen?

Frida: Sofort.

Elischeba: Dachte ich mir 😉 Was wünscht ihr euch für die Zukunft?

Frida:  Ein Surfbrett, ein Pferd und ein Häuschen an (irgendeinem) neuseeländischen Strand. Wir haben schon so viel geschafft, das schaffen wir jetzt auch noch!

Elischeba: Da bin ich mir sicher. Ganz lieben Dank für das sehr inspirierende und offene Interview.

HIER GEHT ES ZUM BLOG DOUBLE TRAVEL, auf dem ihr noch mehr von den Auswanderern erfahrt.

Photo Credits: Blog Double Travel – Danke an Frida Petersen für die Freigabe

P.S. auf meinem Reiseblog habe ich hier schon einmal Neuseeland Urlauber interviewt – ebenfalls sehr lesenswert 😉