Einen Waschlappen bereitlegen, auf den man immer vor Schmerz drauf beißen kann, wenn man stillt.

Na toll. Das ist der erste Tipp, den ich am Ostersamstag mit leicht verheulten Augen lese, als ich ziemlich erschöpft – um drei Uhr morgens – mit dem iPhone in der Hand auf meinem Bett sitze und im Dämmerlicht danach google was man bei einer Brustentzündung tun kann.

Aber keine Sorge – es gibt auch noch intelligentere Tipps zu dem Thema.

Als wir ein wenig später – um neun Uhr morgens – beim Krankenhaus anrufen, da trage ich bereits drei Winterpullover übereinander, unsere Heizung ist voll aufgedreht – trotz Frühling in der Luft – und ich bin am zittern vor Schüttelfrost.

Mit 39,5 Fieber liege ich erschöpft auf der Couch und überlege was ich jetzt tun soll. Gebrauchen kann ich den Mist jetzt definitiv nicht.

emilyelischebakrankenhaus

In der Notfallstation müssten wir mindestens vier Stunden warten, erfährt mein Mann am Telefon. Sei brechend voll da. Das wäre mit einem zweijährigem Wirbelwind, einem Stillbaby und einer Frau, die total erschöpft ist und Ruhe braucht, nicht so einfach, erklärt mein Schatz Pierre der Dame.

Also kriegt er die Ärztin an den Apparat und erklärt ihr alles.

Sie schlägt ihm vor, dass ich die Entzündung mit Quark beruhige, nach dem Stillen Kühlkissen auflege, mich schön ausruhe und bei Bedarf bis zu vier mal täglich Paracetamol nehme. Sollten sich die Beschwerden nicht verbessern, dann bitte doch einen Arzt aufsuchen oder ins Krankenhaus kommen. 

Hey und wie diese Tipps wirken. Mir geht es glatt besser. Vor allem wegen dem Paracetamol natürlich. Bryonia D 6 nehme ich ebenfalls ein – hilft laut einer Expertin wenn die linke Brustseite betroffen ist.

Emily & Elischeba

Auch den Sonntag kriege ich irgendwie noch rum. Aber mehr auch nicht. Gesund fühlen ist was anderes. Also fahren wir am Ostermontag gegen 11 Uhr ins Krankenhaus, da wir diesmal eine Dame am Telefon hatten, die uns verraten hat, dass wir auch direkt in die Abteilung Gynäkologie können, anstatt im Bereich für „allgemeine Fälle“ Schlange zu sitzen.

Das kostet uns lediglich zweieinhalb Stunden Zeit. Wir bekommen ein Rezept für das stillfreundliche Antibiotikum Staphylex, das in den gesamten Notfallapotheken in der Umgebung jedoch nicht verfügbar ist.

Dienstag bin ich nicht in der Lage mit zwei Kids klar zu kommen und noch weniger, mir mit zwei Kids mein Antibiotikum – das um 12 Uhr mittags verfügbar ist – selbst in der Apotheke abzuholen.

Wäre mein Mann gesetzlich versichert, so hätte er für solche Notfälle zehn Freitage pro Bambino zur Verfügung. Leider haben wir vor vielen Jahren auf einen redegewandten Kumpel gehört. Die Unterschrift vor diesem Vermögensberater war gleichsam wie ein Ehevertrag mit einer privaten Krankenversicherung.

Emily und Leon müssen unverschämt teuer zwangsversichert werden. Doch es gibt NULL Tage Unterstützung für solche Notfälle. Anderes Thema, das ich hier schon mal hatte.

leonhappyclub

Also gut. Pierre nimmt sich spontan Urlaub. Zum Obst einkaufen und Antibiotikum holen lässt er jedoch beide Kids zu Hause. Ich liege erschöpft auf der Couch – Emily schläft tief und fest auf meinem Arm.

Leon spielt, dass er das Krankenhaus anruft und denen sagt, dass seine Mama krank sei und Hilfe braucht. Dann fragt der kleine Schatz, ob ich ihm Saft in seine Flasche schütten kann. Ich antworte ihm, dass ich leider krank bin und Papa das macht, wenn er in 15 Minuten zu Hause ist.

Daraufhin höre ich, wie der Kleine nebenan in der Küche sämtliche Schränke ausräumt, um sich selbst ein Getränk zu suchen. Der Mini Chef kommt mit einer Glasflasche zurück gelaufen und bittet mir zu helfen. In dem Moment fliegt sie ihm aus den Händen und es macht laut Peng.

Ich schreie kurz auf: LEON!!!!! Meine Tochter erschreckt sich fast zu Tode, Mama hat schlechte Laune und der Sohnemann sagt mir mit großen Unschuldsaugen, dass er das nicht extra gemacht hat. Zucker!

Papa kommt nach Hause und macht alles sauber. Dauert eine halbe Stunde, da die Flüssigkeit sich in sämtliche Richtungen des Bodens verteilt hat. Pierre hatte durchaus schon angenehmere Urlaubstage in seinem Leben. Aber er ist nun mal jetzt Papa.

Gegen Abend kommt meine Hebamme vorbei. Bereits im Flur erschreckt sie sich. „Frau Wilde, so hab ich Sie ja noch nie gesehen.“

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Dass ich meinen linken Arm nur unter starken Schmerzen hochheben kann, das gefällt ihr am allerwenigsten von all dem, was ich ihr berichte.

Wir sollen sofort ins Krankenhaus fahren. Ich bitte meinen Mann darum ein paar Sachen zu packen – vor meinem Kleiderschrank steht er jedoch total hilflos und braucht genaue Anweisungen. Meine Hebamme hilft uns dabei alles ins Auto zu tragen.

Im Rollstuhl werde ich in die Brustambulanz gefahren. Zitternd – trotz zig Pullover, dehydriert mit über 40 Grad Fieber und mit einem Feeling einer alten Frau kurz vorm Tod.

Dummerweise muss ich noch zweieinhalb Stunden warten bis ich dann tatsächlich untersucht werde und jaaa …. LIEGEN darf. Aber zwischendurch bekomme ich fiebersenkende Mittel. Einige Leute vor mir. Viel los halt.

Mit meinen Hartkapseln hätte ich das nicht weg bekommen. Es passiert häufig, dass Anwender davon Durchfall bekommen und nicht die volle Wirkung des Produktes in den Körper gelangt.

Das stillfreundliche Antibiotikum, das mir per Infusion direkt in die Venen gespritzt wird, wirkt schnell und gut.

Manchmal vertragen Frauen es nicht und benötigen eine andere Variante. Bei mir schlägt es aber gut an. Außerdem bekomme ich regelmäßig weiterhin Paracetamol gegen meine Schmerzen und um das Fieber zu senken.

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Wie toll, dass ich mit Emily in ein Einzelzimmer darf – obwohl ich seit einem Jahr gesetzlich versichert bin. Auch das Personal ist hier absolut freundlich, hilfsbereit und nett.

Schön ist, dass die Wände oft rot oder gelb gestrichen sind. Das macht für die Genesung meiner Meinung nach eine Menge aus. Gestern habe ich erfahren, dass ich mir auch größere Beilagen zu den Mahlzeiten wünschen darf – da ich stille, habe ich besonders viel Hunger.

Jetzt wo es mir besser geht, möchte ich natürlich unbedingt so schnell wie möglich wieder nach Hause. Und da als erstes die Waschmaschine anschmeißen 🙂

Allerdings habe ich heute erfahren, dass ich auf jeden Fall bis Sonntag hier bleiben muss, damit ich die Infusion fünf Tage lang erhalten kann.

Und dann darf ich auch nur nach Hause, wenn meine extrem hohen Entzündungswerte noch mal ein deutliches Stückchen nach unten gerutscht sind. 1 ist normal und ich hatte einen Wert so um die 70. Heute nur noch 36. Mal so als Anhaltspunkt.

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Wie ein Tagesablauf hier aussieht? Bei der Morgentoilette nicht vergessen, die Tür für den Nachbarn wieder aufzuschließen 🙂  Infusion. Frühstück. Kuscheln mit Emily. Klatschzeitschriften. What´s App.

Mittagessen. Infusion. Kurzer Spaziergang. Wieder Kuscheln mit Emily.

Und immer wieder Stillen und danach Kühlen mit Retterspitz Wickeln.

retterspitz

Abends drei Schnitten Butterbrot. Und dann das Highlight: Besuch von meinen beiden Männern!

Für einen Moment habe ich überlegt, wegen „all dem“ nicht mehr zu stillen. Wer hat auf so was schließlich noch mal Bock?

Dann hat mich Emily aus tiefstem Herzen angelächelt. Mit fast zwei Monaten machen die Kleinen das bewusst. Herrlich.

Das sind magische Momente. Keine Kamera dabei? Nicht schlimm – hab mit meinem Herzen Fotos gemacht.

Da war mir klar: Für meine Maus weiterhin nur das Beste.

Euch ein schönes Wochenende und drückt mir ja die Daumen, dass ich Sonntag auch tatsächlich raus darf!

Elischeba

Photo Credits: Fotografin: Elischeba Wilde – Model: Emily Wilde

zweites Foto von oben: Fotograf: Christian Grimmelt – Models: Elischeba und Emily Wilde