Wer hat eigentlich das Gerücht in die Welt gesetzt, dass Frauen über 35 nicht mehr so schnell schwanger werden? Ich sicher nicht. Laut einigen Gynäkologen wäre es „in dem Alter“ besser, so langsam mal die Rente einzureichen, anstatt eine Familie zu gründen.

Im Gespräch mit einigen Freundinnen und Bekannten meiner Altersklasse – alles Mütter – haben wir dagegen manchmal das Gefühl, dass wir Frauen umso fruchtbarer werden, desto älter wir sind.

Mit Anfang 20 klappt das Verhüten. Auch noch mit Anfang 30. Aber dann scheint`s irgendwie schief zu gehen. Oder verhüten wir dann nicht mehr so gewissenhaft und konsequent? Lieber natürlich, anstatt täglich die sehr sichere Pille zu schlucken?

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Und dann bringt uns das Leben die größten Geschenke – bevor der Zug tatsächlich abgefahren ist. Plötzlich. Unerwartet. Wenn wir gerade ganz andere Dinge planen.

Und dann zeigt uns das Leben, dass alles wonach wir vorher gestrebt haben und alles was wir vorher gemacht haben, zwar toll sein mag, dass es aber nichts gegen das Lachen des eigenen Kindes ist.

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Am 10. Mai 2014 fliege ich nach Kroatien und denke mir am 12. Mai, dass ich die nächsten drei Tage nicht verhüten brauche, da ich ja „bis eben noch“ meine Periode hatte und der Eisprung – und die gefährliche Zeit davor – noch auf sich warten lässt. Lernt man so etwas auch nicht schon in der Schule?

Nun ja – so ist dann in diesem Hotel mein zweites Kind entstanden:

Kann passieren, wenn Frau ihren Aufenthalt mit Kinderbetreuung bucht. Als ich Anfang Juni nach Ausbleiben meiner Periode mit anderen Müttern spreche, kommen die unterschiedlichsten Reaktionen.

„Elischeba, mach dir nicht so viel Sorgen, in unserem Alter hört das langsam auf, dass man seine Tage regelmäßig bekommt, das hat noch gar nichts zu sagen“, beruhigt mich eine langjährige Freundin liebevoll.

Heute morgen – am 16. Juni 2014 – schiebe ich Leon im Buggy vor mir her, um bei Rossmann einen Schwangerschaftstest zu erwerben. Meine Gefühle sind gemischt. Der Tag fing irgendwie schon nicht so gut an.

Bin im Treppenhaus versehentlich gegen ein Bild geknallt und musste sämtliche Scherben vom Boden auflesen.

Irgendwie sehe ich heute ganz viele Zwillingsmütter auf der Straße. Gestresst und genervt. Bitte lieber Gott, lass das kein schlechtes Omen sein. Vor Mehrlingen im Bauch habe ich so richtig Schiss.

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So, bei Rossmann angekommen. Wo sind denn jetzt bloß diese Tests? Erst gucke ich bei den Babysachen und dann bei den Kondomen. Irgendwo daneben finde ich sie endlich. So viele Tests von diversen Firmen zur Auswahl.

Lange überlegen, welchen von diesen Tests Frau erwerben soll, kann ich nicht, wenn mein Söhnchen nebenbei Regale ausräumt. Ach, nehme ich einfach einen der preisgünstigen mit nach Hause. Frau denkt praktisch.

Das Ergebnis wird eh überall gleich sein – das ist mir jetzt auch wichtiger als das Design oder irgendwelchen Schnickschnack.

Auf dem Rückweg überlege ich, wie mehrfache Mütter klar kommen. Ich brauchte Leons Mittagsschlaf irgendwie immer für meine eigene Ausgeglichenheit. Aber wenn du zwei Schreihälse hast, dann ist IMMER einer davon wach.

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Und meistens beide gleichzeitig – und sie rennen sicher häufig in unterschiedliche Richtungen. Ich mag eine liebevolle Mutter sein – eine gute Hausfrau, die gern für eine halbe Großfamilie kocht, bin ich jedoch nicht. Da bin ich lieber kreativ und schneide Filme oder so. Ich kann von Glück sprechen, dass Leon meine Nudelvarianten trotz mangelnder Abwechslung noch immer gern isst.

Zu Hause angekommen dauert es ein wenig, bis ich endlich mal dazu komme, den Test auszupacken. Der kleine Mann droht ständig was anzustellen. Nun wünscht er ein Glas Milch – Mama bedient den Mini Chef und rennt in den Waschraum. Laut Gebrauchsanweisung leuchtet – wenn ich nicht schwanger bin – nur der Pfeil rechts.

Andernfalls beide – was gleichzeitig eine Botschaft darstellt, die das Leben dauerhaft umkrempelt. Für immer. Während der Test läuft, kommt Leon angerannt: „Mama mehr trinken!“ und bittet mich energisch darum, in die Küche zu laufen und die Milchpackung zu holen. „Leon, die Mama hat gerade andere Probleme“, antworte ich leider ein wenig schroff. Söhnchen guckt mich leicht verwirrt an und merkt, dass die Lage äußerst angespannt ist.

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Dann schaue ich auf den Test. Rechts ist noch kein roter Pfeil zu sehen – aber der linke – „der gefährliche“ – der ist bereits so rot, dass es noch eindeutiger gar nicht geht. Für einen kurzen Augenblick denke ich gar nichts. Und fühle irgendwie auch nichts.

Dann gestehe ich dem erstaunten Leon unter Tränen, dass ich noch ein Baby bekomme und dass ich Angst habe, ihn zu vernachlässigen, was ich ja sowieso schon viel zu oft tun würde und dass ich ihn – was immer auch passiert – immer gleich stark lieben werde und möchte. Der kleine Mann steht da vor mir und scheint nur zu denken „ein bisschen verrückt ist meine Ma ja schon immer …. aber jetzt scheint sie ja völlig auszuticken.“

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Dann schaue ich auf ein Foto, auf dem mein Söhnchen ein knappes Jahr jung ist. Was war das für eine goldige Babyzeit. Wie er häufig auf meinem Bauch eingeschlafen ist. Über den ersten Monaten liegt ein richtiger Zauber.

Plötzlich kommt von innen heraus eine Freude in mir auf. So richtig. Und sie wächst. Und wächst.

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Es wird schon klappen. Als erstes rufe ich meinen Mann Pierre im Büro an und bringe ihn ein wenig aus dem Konzept seines aktuellen Bearbeitungsstandes. Auch danach wird irgendwie nur mit Freunden telefoniert oder per What`s App kommuniziert.

Meiner Mutter erzähle ich, dass Pierre Ende Januar 2015 ein Schachturnier spielen wollte und ich mich darauf gefreut hatte, in diesem Zeitraum dann genau wie letztes Jahr mit Leon alleine in die Türkei zu fliegen. War Anfang 2014 so wunderschön:

Der Januar – beziehungsweise der Februar – 2015 wird dann ein wenig anders aussehen. Anstatt unter der südlichen Sonne liege ich dann wohl im Kreißsaal. Mein Leben bleibt spannend. Ich halte euch auf dem Laufenden.

Eure Elischeba