Entscheidungen und ich werden nie Freundinnen. Das spüre ich mal wieder am 17. November 2013 – am Tag der offenen Tür aller Kindergärten in unserer Kleinstadt.

Mein Schatz Pierre spielt heute ein Schachturnier mit. Morgens hofft er noch auf ein schnelles Remis, aber es wird ein langer „Kampf“, den er gewinnt. Deswegen hat er leider keine Zeit mehr, um mich bei der Tour zu begleiten. Schade, Entscheidungshilfe kann ich jetzt dringend gebrauchen.

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Auf dem Weg in die Kindergärten gehe ich in Gedanken meine Checkliste für einen guten Kita-Platz durch.

  • Die Öffnungszeiten müssen zu den Betreuungswünschen passen. In unserer Stadt ist es überall gleich: Zwischen 7 Uhr 30 und 17 Uhr geht alles. Wie gestern erwähnt, gucke ich mich nach einen Halbtagsplatz bis 12 Uhr 30 um. Sonst werden meine Entzugserscheinungen irgendwann zu groß.

Doof ist bei uns, dass man nicht spontan sagen kann „heute will ich mein Kind auch nachmittags abgeben“ – entweder buchst du für einen halben oder ganzen Tag – für das komplette Jahr. 

  • Gute Erreichbarkeit ist einfach praktisch. Längere Wege zur Kita nerven auf Dauer.
  • Wirkt die Atmosphäre einladend?
  • Gibt es ein spezielles Freizeitprogramm, das Talente und Hobbys der Kids fördert?
  • Welche Möglichkeiten werden zur Sprachförderung und zum Entdecken der Welt geboten?
  • Werden gute soziale Werte vermittelt?
  • Dürfen Eltern bei der Art der Betreuung Wünsche äußern?
  • Wie ist das erste Bauchgefühl? Wie reagiert das Kind auf die Umgebung?

Ein gutes Bauchgefühl habe ich gleich bei Kindergarten Nummer Eins. Mir schmeichelt es total, dass da so viele Kleine am Schautag sind und die Leiterin sich auf Leon stürzt und dann immer wieder sagt: Schade, dass er am 1. August 2014 noch keine Drei ist. Ich würde ihn so gern nehmen – ich finde den ja sooo süß. Aber wir nehmen hier keine U3 Kids auf. Tja. Find ich auch schade.

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Dass es hier erst ab Drei los geht, steht zwar überall, aber das hab ich irgendwie überlesen. Auf zum nächsten. Mein Söhnchen brauche ich wohl nicht zu fragen. Der rennt in jedem Kindergarten begeistert los, stellt sich vor andere Kinder, lächelt sie an und packt Spielzeug und Bücher aus. Kindergarten Zwei macht einen netten Eindruck.

Kindergarten Drei muss ich ein wenig suchen und werde dann fündig. Die Leiterin scheint nicht so viel Lust oder Zeit zu haben, mit mir lange zu quatschen, ist aber total auf Leon fixiert. Ganz ehrlich? Das ist auch viel wichtiger. Er muss sich hier wohl fühlen.

Dann nimmt die ältere Dame eine riesengroße Puppe und stellt sie vor Leon. Mein Söhnchen zeigt darauf und ruft ganz laut BABYYY. Da muss die Erzieherin erst mal lachen und antwortet, dass die Puppe doch viel größer ist als er selbst. Toll finde ich hier den Indoor-Sandkasten. Gute Idee.

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Heute haben wir den 21. November 2013. Leon ist heute anderthalb Jahre geworden und wir haben am frühen Morgen noch keine Entscheidung getroffen. Auf YouTube entdecke ich einen tollen Film über einen „Kleine Welt“ Kindergarten – ebenfalls bei uns im Ort.

Super Konzept. Konfessionslos und unkonventionell. Sogar Englischstunden werden geboten. Wir sind hellauf begeistert und fahren nach Absprache mit dem Inhaber vorbei. Bisschen groß alles da. Aber cool. Nix streng. Nix mit vielen Regeln. Eltern brauchen morgens keine Brote schmieren – Frühstück für die Kleinen fertig machen gehört zum Service. Damit ein Kind nicht traurig ist, wenn die Mama von einem der anderen Bambini was Leckereres eingepackt hat. Find ich gut.

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Dann ab ins Auto. Wir sind im Zeitdruck – mein Mann Pierre muss zur Arbeit. Leon und ich haben noch nicht gefrühstückt – das wollen wir nachher in Ruhe machen. Ich werde langsam hungrig und aggressiv. Leerer Magen und der Druck, eine Entscheidung treffen zu müssen – das passt nicht. Wir finden diesen Kindergarten super. Ich werfe ein, dass die coolsten Sachen, wie Englisch lernen, aber nur für Kinder möglich sind, die den ganzen Tag vor Ort sind.

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Mein Mann antwortet sofort, dass Leon ja vielleicht Lust darauf hat, den ganzen Tag da zu sein. Plötzlich dreht sich mein Magen rum. Diesmal nicht vor Hunger. Im Urlaub war ich noch richtig stolz darauf, dass ich ihn ja so locker und problemlos im Kinderclub abgeben konnte. Ich und Glucke? Ich doch nicht!!! Falsch gedacht. Auf einmal spüre ich, dass Loslassen richtig weh tun kann.

Im Happy Club im Ebbinghof war ich in der Nähe und konnte ihn ja immer holen, wenn ich wollte. Vormittags abgeben, nachmittags zusammen draußen spielen und zum Dinner noch mal im Kinderparadies essen lassen. Hier hört sich alles nun so fest und verbindlich an. Aber er ist doch noch so klein. Ist er mir nicht „gerade erst“ aus dem Bauch geschlüpft?

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Und will ich wirklich jeden Tag pro Strecke 30 Minuten zu Fuß laufen? Auch bei Schnee und Regen? Den Croozer ans Fahrrad dran und wieder ab – das ist mir immer zu umständlich – da komm ich nicht so mit klar.

Zum Einkaufen passt allerdings viel rein – deswegen gehe ich damit halt zu Fuß durch die Gegend. Sitzt du noch oder thronst du schon, heißt es dann bei Leon. Ich fahre den kleinen Schelm stehend durch die Gegend – während er sich am Rand festhält und mit Passanten flirtet.

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Was ist mit Kindergarten 2? Katholisch. Ist eigentlich nicht unser Ding. Hier auf dem Land heißt Katholisch streng Katholisch, fügt mein Mann hinzu. Was sollen wir lange reden? Wir klingeln einfach und fragen, ob wir noch mal zusammen rein dürfen, damit Pierre auch mal Kindergarten Nummer 2 sieht.

Eine hübsche, große, blonde und moderne Dame mit Kurzhaarschnitt macht uns auf. Wir jammern ihr einen vor, dass wir uns nicht entscheiden können. Sie muss laut schallend lachen, als wir ihr beichten, dass wir Schiss haben, dass unser Sohn beigebracht bekommt, dass alles Sünde ist und dass er in die Hölle kommt. Neeeee. Alles halb so wild. Christlich sei man ja schon – ein paar biblische Szenen nachspielen und Lieder singen gehört zum Programm. Aber alles kann, nichts muss. Schön! Entscheidung gefallen. Leon kommt ab dem 1. August 2014 in Kinderplatz Nummer 2 und Mama ist in fünf Minuten da. Für 25 Stunden die Woche bis 12 Uhr 30.

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Wann sind eure Kids in die Kita gekommen? Ihr findet 2 1/2 zu früh? Zu spät? Den Grund für den Zeitpunkt habe ich euch ja gestern beschrieben.

Bis dann,

Eure Elischeba