Als gebürtige Kölnerin bin ich der Liebe wegen ins Münsterland gezogen – deswegen wird unser Kind zwar die Mentalität, Lebenslust und Offenheit der Rheinländer mit auf den Weg bekommen, aber auch die Geborgenheit des Landlebens. Also wird unser Söhnchen das Licht der Welt voraussichtlich in Coesfeld erblicken.

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Mein Schatz und ich nehmen an einem Informationsabend inklusive einer Kreißsaalführung teil. Als wir in der Frauenklinik vom St.-Vincenz-Hospital in Coesfeld ankommen, stehen bereits circa 30 junge Pärchen beim vereinbarten Treffpunkt.

Neugierig mustere ich die Babybäuche der Mamas und überlege, in welcher Schwangerschaftswoche sie sich wohl gerade befinden. In meiner Tasche habe ich einen großen Packen Visitenkärtchen, da ich das Bedürfnis verspüre, mit Frauen ins Gespräch zu kommen, die ebenfalls im Jahr 2012 gebären und in meiner Umgebung wohnen. Da wir momentan nämlich kein zweites Kind planen, wären viele tolle Kontakte zu anderen Babys auch für unseren Leon klasse.

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Der sympathische Chefarzt Herr Dr. med. Klaus-Dieter Jaspers begrüßt unsere Runde mit einer freundlichen, aber auch souveränen und beruhigenden Art. Denn ich bin sicher nicht die einzige in der Runde, die ziemlich aufgeregt ist. Der Redner ermuntert uns zuerst, dass wir Fragen stellen.

Ein junger Mann möchte wissen, wie häufig Kaiserschnitte durchgeführt werden. Unsere Gruppe erfährt, dass man in Coesfeld erst mal versucht, diese Operationsmethode zu verhindern und so wenig wie möglich schnibbeln möchte. Da mein Schatz weiß, dass ich Angst vor den Schmerzen habe, fragt er, wie häufig die Periduralanästhesie angewandt wird.

Der Chefarzt antwortet uns, dass circa 30 Prozent der Frauen diese Leistung in Anspruch nehmen. Er fügt hinzu, dass es jedoch auch sanftere Möglichkeiten zur Schmerzlinderung gibt. Der Doc erklärt uns, dass eine Frau durch die PDA so benommen sein kann, dass man das Baby nach der Geburt erst einmal dem Mann auf die Brust legt.

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Auch die Frage wird besprochen, was wir machen sollen, wenn die Geburt auf dem Weg zur Klinik loszugehen scheint. „Ranfahren, anrufen, genau beschreiben wo man steht und auf den Krankenwagen warten“ erklärt uns der Redner und beschreibt genau, wie wir uns bis dahin verhalten müssten.

„Dreimal im Jahr kommt so etwas vor“, berichtet der Chefarzt und erzählt uns, dass ein Mann seiner Frau gesagt hat, dass sie aussteigen soll, da er neue Autositze gekauft hat und diese sauber bleiben sollen. Nun, so setzt eben jeder seine Prioritäten im Leben.

Dann werden uns auf einem Beamer Entbindungsräume gezeigt, in denen Patientinnen die Gebärposition selbst wählen können – so zum Beispiel auf dem Geburtsstuhl, in der Entbindungswanne, am Seil oder in modernen Entbindungsbetten.

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Zusätzliche Sicherheit gibt die Tatsache, dass eine Neugeborenenintensivstation direkt Tür an Tür am Kreißsaal liegt und mit spezialisierten Kinderärzten eng zusammen gearbeitet wird.

„Oh da will ich hin“ sage ich leise zu meinem Schatz, als ein Familienzimmer in lila gezeigt wird, welches an ein schönes Hotel erinnert und für die junge Familie nach der Entbindung zum Relaxen und Kraft tanken sorgt, während weitere Untersuchungen durchgeführt werden. Wer möchte, der kann ein paar Tage im Krankenhaus bleiben, wenn jedoch alles gut geht, dann kann man auch direkt nach Hause fahren und wird zum Beispiel von einer Hebamme weiter betreut.

Dann geht es los – wir dürfen uns die Entbindungsräume anschauen. Zwischendurch suche ich den Waschraum auf und erschrecke förmlich beim Blick in den Spiegel. Ich habe knallrote Wangen! Irgendwie fühle ich mich, als würde ich morgen mein Kind zur Welt bringen – mir wird bewusst, dass es bald ernst wird.

Die Entbindungswanne gefällt mir – ich überlege, dass ich beim persönlichen Vorgespräch nachfrage, ob ich dort zur Einstimmung rein darf und danach die PDA erhalten kann. Natürlichkeit ist ja schön und gut, aber wenn ich starke Schmerzen habe, dann will ich weder wie Yogis in den Schmerz hinein atmen, noch wie Heilpraktiker empfehlen, irgendwelche homöopathischen Käpselchen nehmen. Ich will dann einfach nur Wirkung spüren.

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„In diesem Raum werden Frauen zum Tier“ berichtet der Doc und prophezeit allen Männern, dass sie ihre Partnerinnen bei der Geburt so erleben, wie nie zuvor. Na, wenn er weiter so viele Details erzählt, dann werde ich auch heute schon zum Tier, denke ich mir.

Beim Herausgehen mustere ich die anderen Mütter und versuche unser Durchschnittsalter zu schätzen. Ich denke, dass es bei Ende 20 liegt. Ich fühle mich selbst für einen Moment wie ein 17jähriges Mädel, dass Mutter wird und damit ein wenig überfordert ist. Plötzlich ist die Kreißsaalführung zu Ende und die Gruppe löst sich so rasch auf, dass ich gar nicht mehr mit der ein oder anderen Mama ins Gespräch kommen kann. Schade. Ich hatte doch so viele Visitenkärtchen eingesteckt!

Bis bald wieder.

Alles Gute von Elischeba